"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein Amt, keine Meinung" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 07.02.2005

Wien (OTS) - Hundert Tage ist Benita Ferrero-Waldner jetzt EU-Kommissarin, und bei ihrem ersten offiziellen Auftritt in Wien macht sie vor allem eines deutlich: Die Rolle der aalglatten Diplomatin alten Stils ist ihr auf den Leib geschneidert.
Sie streicht zwar ihre Bedeutsamkeit hervor, spricht von einem "Schlüsselressort" mit 6500 Mitarbeitern und drei bis vier Milliarden Budget. Inhaltlich aber verschweigt sie sich - sie verkörpert ein Amt, hat aber keine Meinung.
Viel mehr als die bekannte Formel über den "Ring von Freunden", rund um die EU ist ihr nicht zu entlocken. Was sie von den Volksabstimmungen hält, die viele Länder vor einem Türkei-Beitritt abhalten wollen? "Dazu kann ich als EU-Kommissarin nichts sagen." Und ihre persönliche Meinung? "Sage ich nicht."
Ihr Vorgänger Franz Fischler hat mit seinen Ansichten nie hinter dem Berg gehalten. Österreichische Politiker haben ihm das mitunter übel genommen, in Brüssel hat sich Fischler damit viel Respekt verschafft. Ferrero-Waldner wird zwar nirgends anecken. Das Gewicht Österreichs in der EU und das Ansehen der EU in Österreich wird sie mit ihrer Meinungslosigkeit aber nicht stärken.

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