AK Muhm: Industrie verdreht Zahlen und Fakten

Wien (OTS) - Die Forderungen der Industriellenvereinigung nach Arbeitszeitsverlängerung laufen auf Lohnkürzungen hinaus, wertet AK Direktor Werner Muhm. Die IV zeichnet mit unrichtigen und verzerrenden Zahlen ein Bild der österreichischen Wirtschaft, das der Realität nicht entspricht. "Die Industrie baut eine Stimmung auf, einzig und allein zu dem Zweck, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu schaden," sagt Muhm.

Unternehmensgewinne und Eigenkapitalausstattung im EU-Schnitt "Statistiken mögen zu Spekulationen verleiten", sagt Muhm, "aber sie sollten wenigstens richtig interpretiert werden." Die IV behauptet, dass die Eigenkapitalquote der Unternehmen in Österreich lediglich bei 13 Prozent liegt und stellt dem eine wünschenswerte Quote von angeblich 40 Prozent in Spanien gegenüber. Diese 13 Prozent sind aber ein Medianwert über Unternehmungen der Sachgütererzeugung aller Größen - vom kleinen Handwerker bis zur Voest. Wird nur die Industrie genommen - und nur das ist vergleichbar, zeigt sich ein anderes Bild:
Lt Wifo betrug die Eigenkapitalquote der österreichischen Industrie 2001 mehr als 35 Prozent. Aus den Bilanzen 2002 und 2003 hat die AK eine Eigenmittelquote von mehr als 42 bzw mehr als 39 Prozent ermittelt. Damit liegt die österreichische Industrie in etwa im EU-Durchschnitt (40,3 Prozent). "Dass es der Industrie in Österreich nicht so schlecht gehen kann, das bestätigt auch ihr Präsident, der die Ertragslage insgesamt als sehr positiv sieht," sagt Muhm. Zusätzlich werden die Großunternehmen durch die Steuerreform neuerlich entlastet.

Hervorragende Lohnstückkostenentwicklung
Die IV beklagt, dass die Lohnstückkosten in Österreich gegenüber Ländern wie Japan, Schweden, Finnland, USA oder Deutschland unverhältnismäßig stark gestiegen sind. Dem steht die Herbstprognose der EU-Kommission gegenüber, nach der die Lohnstückkosten in der Gesamtwirtschaft in den Jahren 2001 bis 2005 in Österreich mit 5,3 Prozent nicht stärker, sondern deutlich weniger stark gestiegen sind als in Finnland (rd 9 Prozent) oder Schweden (fast 7 Prozent). Verglichen mit dem EU 12-Durchschnitt (9,3 Prozent) oder dem EU 15-Schnitt (10,5 Prozent) steigt Österreich noch besser aus. Und - so Muhm - die Stundenproduktivität in Österreich ist nahezu auf amerikanischem Niveau.

Arbeitszeitvergleiche der IV unzulässig
Die Arbeitszeitvergleiche der IV sind unzulässig. Nur so kann behauptet werden, in Österreich würde zu kurz gearbeitet. Bei den Arbeitszeitzahlen der OECD wird extra darauf hingewiesen, dass die Zahlen nicht geeignet sind, um die Durchschnittsstunden zwischen verschiedenen Ländern zu vergleichen. Die Daten sind nur dafür geeignet, die Entwicklung innerhalb eines Landes über einen bestimmten Zeitraum zu beobachten. Darüber hinaus enthalten die OECD-Daten sowohl Voll- als auch Teilzeitbeschäftigte. Die Entwicklung zu mehr Teilzeit statt Vollzeit schlägt sich also auch bei den Arbeitszeitvergleichen nieder. "Und daran ist die Industrie ja nicht ganz unschuldig", sagt Muhm. Wie verzerrend ein Vergleich ist, zeigt sich auch an Hand der Eurostat-Daten. So arbeiten in dem von der IV gelobten Großbritannien unselbständig Beschäftigte in Vollzeit zwar mehr Stunden pro Woche als in Österreich, Voll- und Teilzeitbeschäftigte zusammen genommen, wird in Großbritannien aber weniger gearbeitet. "Die IV macht Zahlenspiele, um ihr Ziel einer weiteren Flexibilisierung zu rechtfertigen. Das ist unseriös. Was die Industrie will, ist eine Lohnkürzung von über einer Milliarde Euro zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagt Muhm, "auch die Wirtschaft wünscht sich eine höhere Kaufkraft, eine Lohnkürzung führt sicher nicht dorthin."

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