"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Altlasten" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.01.2005

Wien (OTS) - Geschlossenheit und Eintracht signalisierte die FPÖ beim gestrigen Neujahrstreffen. Aber hinter den Kulissen kracht es gewaltig im Gebälk: Die Partei ist seit dem teuren Nationalrats-Wahlkampf vor zwei Jahren hoch verschuldet, die Umfragedaten signalisieren einen weiteren Rückfall in der Wählergunst.
Da wittern nicht nur die strammen Recken rund um Volksanwalt Ewald Stadler und den Wiener Landesparteichef Hans-Christian Strache Morgenluft. Auch Jörg Haider überlegt offenbar intensiv, ob er sein Lebenswerk den Bach hinuntergehen lassen und in Kärnten einen langweiligen politischen Lebensabend genießen oder noch einmal in einen Bundes-Wahlkampf ziehen soll.
Entscheidet er sich für letzteres, wird er nicht die marode FPÖ übernehmen, sondern eine neue Partei gründen. Die könnte schuldenfrei und ohne personelle Altlasten in den Wahlkampf ziehen. Der Großteil des FP-Klubs im Parlament würde mitgehen, die Parteienfinanzierung wäre dadurch gesichert. Auch die meisten Regierungsmitglieder müssten Haider folgen, wollen sie nicht allein auf verlorenem Posten bleiben. Lange wird uns Haider nicht mehr mit vagen Andeutungen und halbherzigen Dementis auf die Folter spannen können. Ungefähr ein Jahr vor den nächsten Nationalratswahlen muss die Entscheidung fallen. Wie auch immer sie ausfällt, wird sie die politische Landschaft in Österreich verändern.

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