"trend": Veit Sorger fordert Lohnkürzungen

Der Präsident der Industriellenvereinigung im Interview: Die Löhne müssen sinken oder es werden zahlreiche Betriebe zusperren.

Wien (OTS) - Österreichs Industrie stehe ein schwieriges Jahr bevor, fürchtet Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung, in einem Interview für die am Dienstag erscheinende Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend". An der von ihm geforderten Flexibilisierung führe daher 2005 kein Weg vorbei. Sorger: "Wir wollen die Grenze für die tägliche Normalarbeitszeit auf zehn Stunden anheben, die Höchstgrenze auf maximal zwölf Stunden; die maximale Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden und eine Durchrechnung der Überstunden auf mindestens 52 Wochen." Und weiter: "Wir rechnen, dass es durch diese Flexibilisierung mindestens zu einer Entlastung der Lohnkosten von einem Prozent kommt. Diese Flexibilisierung sollte uns 2005 gelingen."

Gespräche zwischen den Sozialpartnern, eine gemeinsame Lösung zu finden, sind im vergangenen Jahr gescheitert. Die IV plant daher, in diesem Jahr den Druck zu erhöhen. Sorger: "Wir werden die Verhandlungen noch einmal führen, werden aber den Gesetzgeber aufrufen, das Gesetz zu ändern, wenn die Sozialpartner keine Einigung zustande bringen."
Komme die Flexibilisierung nicht, würden viele Produktionsbetriebe in Österreich vor dem Aus stehen: "Wenn wir Betriebe haben wollen, die in Österreich bleiben, in Österreich investieren und hier ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten, dann müssen wir auch entsprechende Kosten haben. Das gilt für die Lohnkosten genauso wie für die Energie- und Transportkosten. Wenn wir da betriebswirtschaftlich nicht hinkommen, dann bleibt uns nur übrig auszuwandern, zuzumachen oder uns zu verabschieden."

Österreich hat den höchsten Überstundenanteil an der Gesamtarbeitszeit, zitiert "trend" das Europäische Statistikamt Eurostat. Auf die Frage, ob sich die Österreicher durch den mit der Flexibilisierung verbundenen Wegfall der Überstunden auf eine drastische Lohnkürzung gefasst machen müssen, antwortet Sorger: "Wenn ich die Lohnstückkosten senken will, ist das eine logische Folge. Wir rütteln ja nicht am Grundlohn. Wir sagen nur: Arbeiten wir dann, wenn Aufträge da sind und dann nicht, wenn keine da sind. Die Lohnstückkosten sind in Österreich von 2001 bis 2005
moderat gestiegen. Aber sie sind im Vergleich zu Japan, zu Schweden, Finnland oder den USA, sogar gegenüber Deutschland, unverhältnismäßig stark gestiegen."

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