"trend": Gehrer will Schulinspektoren abschaffen

Bildungsministerin Elisabeth Gehrer will generelle Ganztagebetreuung und hält die Gesamtschule für eine "mögliche Schulform".

Wien (OTS) - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer wird am 14.
Februar beim "Reformdialog Bildung" der Bundesregierung "ein großes Bündel an Maßnahmen" vorlegen. Dies kündigt sie in einem Interview mit der am Dienstag erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazin "trend" an.
Eine konkrete Maßnahme: Die Schulinspektoren sollen demnächst "zum Teil umgeschult, zum Teil im Personalmanagement" eingesetzt werden. Gehrer: "Es geht in Richtung Qualitätsmanagement, wie es auch in vielen anderen Staaten existiert. Wir werden in Zukunft Evaluierungsteams an die Schulen schicken, die werden einige Tage bleiben und einen Evaluierungsbericht verfassen." Die kritisierten Punkte müssten dann innerhalb von vier Jahren an den jeweilige Schulen umgesetzt sein.

Die Ganztagesbetreuung an den Schulen wird, laut Gehrer, nicht nur erweitert, sondern flächendeckend Realität. Die Schulen werden dazu verpflichtet, Ganztagesbetreuung anzubieten und sollen nur in Ausnahmefällen davon Abstand nehmen können. Gehrer im "trend": "Wir könnten revolutionär sein und das System umdrehen. Prinzipiell ist die Ganztagesbetreuung anzubieten. Wenn die Schule das nicht will, kann sie mit Zweidrittelmehrheit dagegen entscheiden."
Durch die ganztägige Betreuung könnten laut Gehrer besonders "soziale Unterschiede ausgeglichen werden, insofern sei diese Maßnahme auch ein Beitrag für insgesamt bessere schulische Leistungen.

Aufhorchen lässt die bislang strikte Gegnerin einer Gesamtschule auch durch eine Neupositionierung in dieser Frage. Angesprochen auf die von Landeshauptmann Jörg Haider angekündigten flächendeckenden Schulversuche in Kärnten sagte Gehrer: "Wenn Herr Haider kooperative Modelle machen will, kann er sie gerne machen. Mir ist nur wichtig:
Individualisierung und Differenzierung. Die Starken fordern und die Schwächeren fördern."
Die frühe Selektion mit zehn Jahren zwischen AHS-Unterstufe und Hauptschule scheint nun auch für sie kein Dogma mehr zu sein. Auf die Frage, ob sie daran festhalte, sagt Gehrer lediglich: "Woran ich festhalte, ist dass differenzierte und individualisierte Angebote gemacht werden müssen. Ob das in einem Schulhaus oder in verschiedenen Schulhäusern stattfindet, ist nur noch eine Frage der äußeren Differenzierung." Die Gesamtschule sei "nicht der Stein der Weisen", aber "eine mögliche Schulform, die nur dann gut ist, wenn es eine sehr starke innere Differenzierung gibt."

Sehr konkret wird die Ministerin in der Frage der Lehrerfortbildung. Sie schlägt nun nicht mehr Maßnahmen vor, sondern will sie verordnen. Gehrer: "Wir werden Angebote in der Lehrerfortbildung verpflichtend machen. Viele wichtige Kurse wurden bislang nur von einem kleinen Teil der Lehrer in Anspruch genommen. Ich verlange, dass die Fortbildung in die unterrichtsfreie Dienstzeit gelegt wird. Ich verlange auch dass sich vierzig Prozent der Angebote an den pädagogischen Instituten den neuen Aufgaben widmen müssen. Das werden wir zentral verordnen."
Sie sei ein "gutmütiger Mensch", zugestandene Autonomie und Verantwortung in den Schulstandorten seien bislang "nicht flächendeckend" übernommen worden, die moderne Methodik im naturwissenschaftlichen Unterricht habe noch "zu wenig gegriffen", erklärt Gehrer im "trend" die offensichtlichen Defizite im Bildungssystem.

Die eklatanten Leseschwächen von 20 Prozent der Schüler will Gehrer an den Wurzeln bekämpfen. Schon im Kindergarten sollen die Fünfjährigen auf ihre Deutschkenntnisse getestet werden. Den verbreiteten Leseschwächen im Polytechnischen Jahrgang will die Ministerin mit einer ungewöhnlichen Radikalkur zu Leibe zu rücken:
"Da wärs gscheiter, die Typen aus anderen Fächern rauszunehmen. So habe ich das auch in Vorarlberg gemacht. Ich tät mit denen lesen, lesen, lesen. Deutsch, Deutsch, Deutsch lernen. Wozu soll der Geographie lernen? Gletschermühle, Gletscherbach, Gletscherfluss. Der weiß ja nicht einmal, was ein Gletscher ist."

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