Das Urteil von Fort Hood

"Presse"-Glosse von Burkhard Bischof

Wien (OTS) - Sind zehn Jahre hinter Gittern genug? Genug für einen Soldaten, der die Macht des Gefängniswärters auf abscheuliche Weise missbrauchte, der seine Gefangenen misshandelte, erniedrigte, ihnen das Leben zur Hölle machte? Sind also zehn Jahre Haft, zu denen ein US-Militärgericht in Fort Hood Charles Graner verurteilt hat, ein gerechtes Urteil?
Im Irak, wo Graner im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib sein Unwesen getrieben hatte, meinen viele: Nein! Nach dem archaischen Prinzip des Aug' um Aug', Zahn um Zahn fordern sie, dass man Graner zur Strafe eigentlich all den Folterpraktiken hätte aussetzen müssen, die er gegenüber seinen Opfern angewandt hat.
Graner sagte zu seiner Verteidigung, dass er auf Anordnung von oben gehandelt, dass er "nicht gern" gefoltert habe - und im Übrigen "ist Krieg, und da geschehen üble Dinge". Gewiss, der Krieg kann manches erklären, aber sicher nicht alles entschuldigen.
Das eine ist die körperliche und seelische Pein, die die Gefängniswärter in Abu Ghraib ihren Häftlingen zugefügt haben. Das andere aber ist der unermessliche Schaden, den sie mit ihrem Tun dem eigenen Land zugefügt haben. In Abu Ghraib nämlich haben die USA wohl für lange den Anspruch verloren, "die leuchtende Stadt am Hügel" zu sein, denn die ganze Welt hat die Schreie der Gefolterten aus dieser Stadt gehört. Was eigentlich ist die Höchststrafe für die Verursacher eines derartigen Imageverlusts?

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