Niederwieser: Aufsteigen oder Sitzenbleiben mit Nichtgenügend - Diskussion läuft verkehrt

Wien (SK) "Ich bedauere, dass ich mich vor wenigen Tagen auf eine Diskussion mit Ministerin Gehrer eingelassen habe, ob man mit zwei Nichtgenügend nun aufsteigen oder sitzen bleiben soll. Die Lösung liegt nämlich nicht in einem Ja oder Nein, sondern in der Einführung eines Kurssystems statt der starren Schulklassen in der Sekundarstufe 2 und auch das löst nicht alle Probleme", so SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser Freitag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ, der mit dieser Aussage die Diskussion wieder aufnehmen und zu "einer Versachlichung beitragen will, die der Größe des Problems angemessen ist". ****

Natürlich könne es niemandem gleichgültig sein, dass jährlich 35.000 Schülerinnen und Schüler das Klassenziel nicht erreichen und wiederholen müssen. Für rund die Hälfte bedeute dies nämlich nicht die erwartete Leistungsverbesserung, sondern die Vorstufe zum endgültigen Ausstieg aus der Schule. "Nicht wenige Schülerinnen und Schüler fühlen sich - zu Recht oder nicht - ungerecht behandelt, die Nachhilfe boomt und dem Staat selbst verursachen diese vielen Klassenwiederholungen Kosten, die von der AK in einer Studie mit rund 300 Mio. Euro jährlich beziffert werden. Und auch für die Lehrerinnen und Lehrer ist es wenig befriedigend, wenn sie an sich gute und talentierte SchülerInnen durch die geltende Regelung für das Sitzenbleiben verlieren."

"Natürlich kann eine konsequentere Anwendung des 1996/97 eingeführten Frühwarnsystems eine gewisse Entschärfung bringen, einen wesentlichen Beitrag für eine Senkung der RepetentInnenquote bei gleichzeitiger Steigerung von Qualität und Motivation erwarte ich mir aber von der Einführung eines Kurssystems in den Oberstufen der AHS und in der BHS", so Niederwieser.

Solche Kurssysteme gibt es u.a. in Finnland, Schweden, Großbritannien, USA und Japan. Über Kurse (Fächer), die nicht bestanden werden oder bei denen man die Beurteilung verbessern will, können Prüfungen abgelegt oder auch die Kurse wiederholt werden. "Solche Prüfungen sind - ähnlich unseren Externistenprüfungen - auch nach Abschluss der Schule möglich.
Ein solches Kurssystem würde auch den Stärken und Interessen der Schülerinnen und Schüler entgegenkommen und die Situation verbessern, dass jährlich mehrere tausend von ihnen nicht in der gewünschten Schule einen Platz finden."

Niederwieser abschließend: "Bis zur Einführung dieses Kurssystems und für die Sekundarstufe 1, d.h. die AHS Unterstufe und die Hauptschule, halte ich den Vorschlag der Zukunftskommission für umsetzbar, wonach Klassenwiederholungen nur noch zulässig sind, wenn SchülerInnen oder ihre Erziehungsberechtigten dies nach Beratung an der Schule ausdrücklich wünschen, oder wenn ein/e SchülerIn mindestens in zwei Gegenständen mit Nichtgenügend beurteilt wird und insgesamt in mehr als der Hälfte der Pflicht- und Wahlpflichtgegenstände keine bessere Note als Genügend aufweist. Eine solche schulgesetzliche Änderung könnte auch schon im kommenden Jahr beschlossen werden." (Schluss) cs/mm

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