Chronisch Kranke: Brettenthaler fordert Erleichterungen bei der Versorgung

ÖÄK-Präsident: "Chefarztpflicht als Hürde Nummer Eins muss fallen" - Kassen sollen Gesundheitsstrategien entwickeln - Kritik an Modernisierungsstau bei der wohnortnahen Betreuung

Wien (OTS) - Zu Beginn des Neuen Jahres hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, an die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik appelliert, den chronisch Kranken bei der künftigen Ausrichtung des Gesundheitswesens mehr Beachtung zu schenken. Bestehende Zugangshürden bei der Versorgung sollten abgebaut werden, forderte der Ärztechef am Donnerstag in einer Aussendung. Dazu rechnet er vor allem die Chefarztpflicht, die als "Hürde Nummer Eins" generell fallen müsse.

Nach Jahren der primär ökonomischen Betrachtung des Gesundheitswesens sei es "höchst an der Zeit, wieder die gesundheitliche Perspektive der Bevölkerung in den Mittelpunkt zu rücken", mahnte der Ärztechef. Dies gelte besonders für den Schwerpunkt chronischer Erkrankungen, die in Österreich besorgniserregend zunehmen. So gebe es derzeit fast eine halbe Million Diabetiker, rund 100 000 Demenzkranke und rund 400 000 Menschen mit Depressions-Erkrankungen. Auch die Zahl chronischer Atemwegserkrankungen und Leiden aus dem rheumatischen Formenkreis entwickele sich ständig nach oben. Vor diesem Hintergrund müsse neben den schon gesetzten Initiativen zur Stärkung der Vorsorge endlich auch die Abschaffung "überholter Bürokratierelikte" - wie etwa der Chefarztpflicht - erfolgen, erklärte Brettenthaler. Letztere mache Patienten, besonders aber chronisch kranken Menschen, "das Leben unnötig schwer".

Die Chefarztpflicht werde regional sehr unterschiedlich gehandhabt, erläuterte Brettenthaler. Im Zweifelsfall werde kranken Menschen zugemutet, gegen ablehnende Bescheide Beschwerde einzulegen oder sogar vor Gericht zu ziehen. "Die Versorgung eines kranken Menschen von seiner persönlichen Durchsetzungskraft abhängig zu machen, ist eines Sozialstaats nicht würdig", kritisierte der Ärztechef. Die Kassen seien aufgefordert, stattdessen Gesundheitsstrategien, vor allem auch für chronisch Kranke, zu entwickeln. "Dazu gehört, dass Patienten nicht nur als Kostenverursacher gesehen werden, sondern auch neue, unbürokratische Wege für eine optimale Betreuung eröffnet werden", so Brettenthaler.

Unumgänglich seien in diesem Zusammenhang modernere Versorgungsmöglichkeiten im niedergelassenen Bereich. Das Gesundheitswesen leide dort unter einem "eklatanten Modernisierungsstau", der eine flexible Betreuung chronisch Kranker erschwere. So gebe es etwa eine deutliche Unterversorgung, was spezialisierte Internisten angehe. Auch fehlten nach wie vor Gruppenpraxen, die längere Öffnungszeiten und eine wohnortnahe Betreuung durch verschiedene Fachdisziplinen unter einem Dach ermöglichten. (Schluss)

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