"Neues Volksblatt" Kommentar: "Im Spiel" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 9. Jänner 2003

Linz (OTS) - =

Alfred Gusenbauer scheint allmählich zu spüren, wie
die Macht schmeckt. Er biedert sich zwar nicht so naiv wie die FPÖ an Wolfgang Schüssel an, doch ist auch für Gusenbauer der Drang zum Regieren erkennbar gestiegen. Vergessen ist die Oppositionsansage und scheinbar vergessen auch die Wahlkampf-Häme für den gegnerischen Kanzlerkandidaten Schüssel. Hätte Gusenbauer nicht vorher so große Töne gespuckt, wäre er heute glaubwürdiger, doch gilt die alte Regel:
Nach der Wahl werden die Karten neu gemischt. Gusenbauer hebt ab und spielt mit. Ob er auch zum Stich kommt, ist eine andere Frage. Da haben die SPÖ-Kibitze im Hintergrund noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Gusenbauer hat jedenfalls durch seine bisherige Verhandlungsführung an Statur als Realpolitiker gewonnen. Im Gegensatz zu den Freiheitlichen, die so sehr die Hosen herunterlassen wollen, dass sie kaum noch ernst zu nehmen sind. Dass sich Gusenbauer auf die klaren Vorgaben der ÖVP einlässt und sie ernsthaft diskutieren will, spricht für ihn und seinen Willen zur Macht. Das Ende ist nicht abzusehen. Aber wenn zwei Partner sich nichts vormachen und hart auf hart um mögliche Kompromisse ringen, hat das Ergebnis vermutlich mehr Bestand, als wenn ein anderer Partner zu allem Ja und Amen sagt.

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