Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: "Der heilige Weisenrat" von Michael Kuscher

Ausgabe 03.01.2003

Klagenfurt (OTS) - Die Heiligen Drei Könige stehen vor der Tür. Sie bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sie sind der Legende nach die "Weisen aus dem Morgenland". Das brauchen wir, denkt sich der Landeshauptmann. Gold und Myrrhe sind längst dahin und Weisheit und Weihrauch gehen zu Ende. En Weisenrat muss her.

Eigentlich klingt es ganz nach Resignation, wenn der Landeshauptmann in der Endphase der Legislaturperiode und möglichen Endphase seiner Politkarriere nach jenen Weisen ruft, auf die er seit Jahren nicht hört. Ja, die Resignation ist derart tief greifend, dass er nun nicht nur deren Rat erheischt, sondern gleich deren Mitregentschaft. Er will den Weisenrat in die Regierungsarbeit "einbeziehen". Ja traut er der, und speziell seiner, Politik überhaupt nichts mehr zu? Vor allem nicht die Verantwortung?

Der Landeshauptmann hat tatsächlich genug Gelgenheit gehabt, auf den Rat auch nicht ganz dummer "namhafter Persönlichkeiten" zu hören. Doch wer hört schon gern auf "Weise", die er nicht selbst als solche installiert und denen gleichzeitig die Handhabung eines Weihrauchkessels eher unbekannt ist?

Sei`s drum. Ein Weisenrat ist eine gute Idee. Und sie kommt auch nicht wirklich zu spät. Denn klüger kann man immer noch werden, nur muss man auch klüger werden wollen.

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