"Neues Volksblatt" Kommentar: "SPÖ-Lostage" (Von Christian Buchar)

Ausgabe vom 3. Jänner 2003

Linz (OTS) - =

Die heute startende Klausur des SPÖ-Präsidiums wird
zur Nagelprobe, wie ernsthaft die Sozialdemokratie zu Reformen und zur Übernahme von Regierungsverantwortung bereit ist. Auch hier gilt der Appell von Bundespräsident Thomas Klestil, sachliche Arbeit nicht taktischen Kalkülen zu opfern.
Jüngste Äußerungen diverser SPÖ-Granden glichen einem gemischten Satz. Während Parteichef Alfred Gusenbauer zwischen - seiner Intellektualität widersprechenden - Rückfällen in Wahlkampfstehsätze immer wieder Reformbereitschaft andeutete, kamen aus den Ländern die großen Querschüsse. Wer, wie der oberösterreichische SPÖ-Chef Erich Haider, noch vor konkreten Verhandlungen verkündet, dass er dem potenziellen Koalitionspartner das Innenressort "abknöpfen" will, trägt - bei aller SPÖ-Empörung über die Ablöse des Wiener Polizeigenerals - mehr den Geist alten Postenschachers denn jenen des notwendigen reformatorischen Zukunftswurfs in sich. Eine Schlüsselrolle wird auch der SPÖ-Fraktion in der Gewerkschaft zukommen, wo sich abseits der Hardliner Marke Sallmutter mittlerweile auch leise Töne in Richtung einer Regierungsbeteiligung vernehmen lassen. Welche Richtung sich durchsetzt ist offen - und in-nerparteiliche Standortbestimmung für Alfred Gusenbauer.

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