Böhmdorfer: Jugendstrafvollzug und Übersiedlung der JA Erdberg in die JA Josefstadt

Aus Anlass der Amtseinführung der neuen Leiterin der Justizanstalt Gerasdorf, Frau Oberrätin Dr. Margitta Essenther, nahm Justizminister Dr. Dieter Böhmdorfer heute zum Jugendstrafvollzug in Österreich, zur Situation in der Justizanstalt Gerasdorf und zur in Gang befindlichen Übersiedlung des Jugendgerichtshofes Wien und der diesen angeschlossenen Justizanstalt Erdberg Stellung.

In der Justizanstalt für Jugendliche Gerasdorf, die derzeit wegen Bauarbeiten für 109 (nach Ende der derzeitigen Umbauarbeiten 124) Burschen ausgelegt ist, werden Jugendliche und dem Jugendvollzug unterstellte junge Erwachsene mit Freiheitsstrafen von über 6 Monaten angehalten.

In der Justizanstalt für Jugendliche Gerasdorf werden Schulunterricht und Lehrausbildung in insgesamt 12 Lehrwerkstätten angeboten. Ein hoher Prozentsatz der Teilnehmer erreicht dabei einen positiven Abschluss.
Die Aus- und Fortbildung (beruflich und schulisch) und die Betreuung von jugendlichen Insassen in Österreich entspricht den internationalen Standards im Jugendvollzug. Die Arbeit in den Jugendanstalten und Jugendabteilungen orientiert sich am aktuellen Stand der Erziehungswissenschaften, der Psychologie, Sozialarbeit und anderen Wissensgebieten (Medizin ua.), die für die Arbeit mit straffälligen jungen Menschen entscheidend sind. Das Leben in den Jugendanstalten soll weitgehend den Lebensverhältnissen in Freiheit angeglichen werden.

Die Jugendgerichtsbarkeit und der Jugendstrafvollzug sind dem Bundesminister für Justiz Dr. Dieter Böhmdorfer ein vordringliches Anliegen. Derzeit findet die Übersiedlung des JGH Wien und der JA Erdberg in das Landesgericht Wien und die JA Josefstadt statt. Ziel ist vor allem die Verbesserung Voraussetzungen des Jugendstrafvollzuges.

Durch die Eingliederung der Justizanstalt für Jugendliche Wien-Erdberg in die Justizanstalt Wien-Josefstadt wird nicht nur die Qualität der Unterbringung der jungen Menschen wesentlich verbessert, sondern sollen auch die Schulbildungen und Berufsausbildungen verbessert fortgeführt werden.

Für die jugendlichen Insassen steht in Zukunft eine Gesamtbelagskapazität von 168 (modernen) Plätzen zur Verfügung. Die 70 Zellen der Justizanstalt Erdberg ergaben sich durch Überbelag zum Teil in einem menschenrechtswidrigen Zustand.
Der nunmehr den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Verfügung stehende D-Trakt der Justizanstalt Josefstadt schließt an den Zentralbau an, in dem sich Festsaal, Turnsaal, Krankenabteilung, Besucherzone und Vernehmungszone befinden.
Ein unbewachtes Zusammentreffen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist unmöglich.
In jeder Abteilung wird ein 5-Personen-Haftraum zu Schulungs- bzw. Beschäftigungsräumen umgewidmet, sodass insgesamt zur Verfügung stehen:
2 Schulungsräume für Telelearning/EDV-Arbeit
1 Klassenzimmer (mit EDV-Ausstattung) für Pflichtschule bzw. Fortbildung
1 Werkstätte für Metallverarbeitung (Feilen, Sägen, Bohren, Gewinde schneiden etc.- Kennenlernen des Materials und seiner Bearbeitungsmöglichkeit) bzw. auch als Motivationswerkstätte
1 Werkstätte für Kunststoffbearbeitung
1 Werkstätte für Holzbearbeitung, Bastelarbeiten, Töpferei, Ergotherapie

Sämtliche Bedienstete der Justizanstalt für Jugendliche Wien-Erdberg wurden mit Wirksamkeit vom 1.1. 2003 entweder der Justizanstalt Wien-Josefstadt bis auf Weiteres zur Dienstleistung zugewiesen oder (mit deren Einverständnis) zu anderen Justizanstalten (im Sprengel des OLG Wien) bzw. der Wr. Jugendgerichtshilfe versetzt.

Im übrigen übersiedelt mit dem JGH Wien und der JA Erdberg das gesamte zur Jugendgerichtsbarkeit gehörende "Netzwerk" inklusive der Wr. Jugendgerichtshilfe.

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Justiz
MMag. Christina M. Cerne
Pressesprecherin des Justizministers
Tel.: (++43-1) 52 1 52 - 2173
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