Alpentransit: Österreichischer Ärztekammerpräsident fordert EU zum Handeln auf

Pjeta: "Gefährliches Spiel mit der Gesundheit der Bevölkerung in den Alpen - Ärzte für Ausrüstung aller Euro 4 -LKW mit Russfiltern - Drastische Tempolimits und deren Überwachung am Brenner unumgänglich

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta, appelliert an die österreichischen Nachbarländer Deutschland und Italien sowie an alle EU-Mitgliedsländer, sich der Transit-Problematik nicht länger zu verschließen und im Sinn des Gesundheitsschutzes der betroffenen Bevölkerung weitere Verbesserungen im Transit-Vertrag anzustreben. Es sei undurchdacht, kurzfristige Wirtschaftsinteressen vor das langfristige Gesundheitssinteresse zu stellen, meinte der höchste österreichische Ärztevertreter Donnerstag in einer Aussendung.
Der ÖÄK-Präsident warnt: "Die Gesundheit der Bevölkerung in den betroffenen Regionen ist schon jetzt in erheblichem Ausmaß durch den Transit gefährdet. Bevor man nun neue Regelungen trifft, sollte man in der EU eine gesundheitliche Folgeabschätzung dieses Vertrags anstellen." Der österreichische Ärztepräsident weist darauf hin, dass es alarmierende Berichte seitens der ortsansässigen Ärzte gebe, wonach sowohl die chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen etwa im Unterinntal als auch die psychischen Beeinträchtigungen durch Lärm zunehmen.

Die österreichischen Ärztinnen und Ärzte sind insbesondere besorgt, dass die vorgesehenen Euro 4 -LKW durch den Ausstoß von noch kleineren Russpartikeln das Herz-Kreislauf-System weitaus mehr beeinträchtigen könnten, als herkömmliche Lastkraftwagen. "Aus ärztlicher Sicht muss für diese LKW dringend ein Dieselrussfilter gefordert werden, da sich der Ausstoß der Russpartikel mit den Euro-4-Gefährten verachtfacht", stellt Pjeta fest.

Der ÖÄK-Präsident macht darüber hinaus darauf aufmerksam, dass auch der mit dem hohen Transitaufkommen verbundene ständige Lärm eine beträchtliche Einschränkung der Lebensqualität bedeute. Dieses Problem werde von der diskutierten Ökopunkte-Regelung in keiner Weise gelöst, da diese sich nur auf den Schadstoffausstoß beziehe. "Leider sind die Möglichkeiten für Schalldämmungen und andere Ersatzmaßnahmen in den engen Alpentälern schon räumlich nicht gegeben. Regelmäßige Inversionswetterlagen und weitreichende Sichtverbindungen führen dazu, dass der Schall nur schlecht gedämpft werden kann", so Pjeta.

Sollte es daher bei der jetzt vorgesehenen Transit-Regelung bleiben, sei die Tiroler Landesregierung aufgerufen, strengste Kontrollen eines Tempo-Limits von max. 80 Stundenkilometer zu forcieren und die Frächter aus den EU-Ländern zur strikten Einhaltung dieser Grenze zu mahnen.

"Da wir insgesamt die klinische Relevanz dieser geballten Ladung von Umweltproblemen im langfristigen Verlauf noch gar nicht kennen, muss die EU gemäß des precautional principle dringend über Vorsorgewerte für die Region nachdenken", schließt Pjeta.

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