WirtschaftsBlatt-Kommentar: Haider führt unverdrossen die Kriege von vorvorgestern (von Erwin Frasl)

Wien (OTS) - Nahezu mit Verbissenheit sucht der Kärntner Landeshauptmann nach Möglichkeiten der Selbstzerstörung. Jüngstes Beispiel dafür ist der Wirbel, den Jörg Haider in Sachen zweisprachiger Ortstafeln für Kärnten inszeniert. Mittlerweile dürfte er der Einzige sein, der nicht merkt, wie er sich mit der Absicht lächerlich macht, auf Autobahnschildern Ljubljana zu Laibach zu machen. Während Haider unverdrossen die politischen Kriege von vorvorgestern führt, zeigt die jüngste gelungene Einführung des Euro-Bargeldes, dass die Österreicher mit Freude und Engagement an der Modernisierung Europas teilnehmen wollen. In diesem modernen Europa zählen die kulturellen Fähigkeiten der Minderheiten zu den ungehobenen Schätzen dieses Kontinents. Das weiss die Wirtschaft nur allzu gut. Denn zahlreiche Unternehmen suchen intensiv nach Mitarbeitern, die sowohl Deutsch als auch eine osteuropäische Sprache wie Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch, Kroatisch, Slowenisch oder Polnisch sprechen, um von den Chancen der Ost-Erweiterung der Europäischen Union profitieren zu können. Schon jetzt können Unternehmen zu viele Geschäftsmöglichkeiten gar nicht nützen, weil ihnen Mitarbeiter fehlen, die Slowenisch, Tschechisch oder eine andere osteuropäische Sprache beherrschen, wie etwa ein Exportseminar von WirtschaftsBlatt und Wirtschaftskammer deutlich gezeigt hat. Um diesem Mangel abzuhelfen, startet etwa der Präsident des Freien Wirtschaftsverbandes, René A. Haiden, einen Grenzland-Verein, der in den Grenzregionen unter anderem Sprachkurse organisiert, um gemeinsam mit den Nachbarn Vorteile aus der Ost-Erweiterung der EU ziehen zu können. Mit seinen slowenisch sprechenden Kärntnern hat das wirtschaftlich ohnehin schwache Kärnten einen enormen Wettbewerbsvorteil, der durch den Beitritt Sloweniens zur EU noch verstärkt wird. Immerhin müssen Ober- und Niederösterreicher erst mühsam Tschechisch lernen, um mit den Nachbarn ins Geschäft zu kommen, weil hier entsprechende zweisprachige Minderheiten als Brückenbildner fehlen. Vielleicht könnten die Landeshauptleute der anderen Bundesländer ihrem Kärntner Kollegen die Absurdität seines Ortstafelkampfes klarmachen, indem sie alle Ortstafeln nicht zwei-, sondern sogar dreisprachig beschriften und Haider damit zeigen, dass das im Europa von heute gar nicht wehtut. (Schluss) ejf

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