OGM-Umfrage 2: Einsparungs-Maßnahmen-Mix wird befürwortet

Für Einsparungen bei Kassenverwaltung und Medikamenten

Wien (OTS) - Als richtigen Weg zur Sanierung der Krankenkassen
sehen die befragten Wienerinnen und Wiener eine Kombination aus Einsparungen und neuen Finanzmitteln. Bei den Einsparungsvorschlägen steht die Verwaltung der Krankenkassen deutlich an der Spitze. Ärztekammerpräsident Walter Dorner dazu: "Offensichtlich herrscht die Ansicht, daß unabhängig von der Höhe des tatsächlichen Einsparungspotentials Reformmaßnahmen unbedingt notwendig sind."****

Auch Einsparungen bei den Medikamentenkosten (Apotheken, Pharmaindustrie) werden als notwendig erachtet, mit Abstand folgen Einsparungen bei den Ärztehonoraren. Ebenfalls recht deutliche Zustimmung findet eine allgemeine Erhöhung der Kassenbeiträge der Dienstnehmer um ein halbes Prozent (etwa 130 Schilling oder 9,45 Euro pro Monat für Durchschnittsverdiener).

Dorner: "Seit langem propagiert die Ärztekammer diese Einsparungsvariante, doch die Regierung legt sich immer noch quer. Auch die Wienerinnen und Wiener befürworten diese solidarische Variante." Die Daten der Umfrage zeigten, daß eine größere Zustimmung zu Beitragserhöhungen im Vergleich zu Leistungskürzungen oder Selbstbehalten herrsche, so Dorner.

Eine Verdoppelung der Höchstbeitragsgrundlage von monatlich 44.000 Schilling (3197,60 Euro, Anm.) auf 88.000 Schilling (6395,21 Euro, Anm.) - also für Besserverdienende - wird von 67 Prozent der Patienten befürwortet. Deutlich abgelehnt wird aber von den Patienten eine Umschichtung von Steuermitteln aus anderen Bereichen zur Finanzierung der Krankenkasse (Mittel aus Wirtschaft, Infrastruktur, Bildung oder Familienförderung).

Bei einem Direktvergleich von Finanzierungsalternativen stehen neue Finanzmittel von medizinischen Risikogruppen wie Konsumenten von Tabak und Alkohol an erster Stelle, knapp gefolgt von einer allgemeinen Erhöhung der Krankenkassenbeiträge für alle Dienstnehmer. Auch eine Umschichtung von Steuermitteln und erhöhte Patienten-Selbstbehalte werden - in schwächerem Ausmaß - zur Finanzierung für notwendig erachtet.

In Summe sprechen sich also die Patienten für einen Finanzierungs-Mix aus, wobei eine allgemeine Beitragserhöhung und Steuererhöhung für gesundheitliches Risikoverhalten an der Spitze stehen. Nur 3 Prozent der Patienten lehnen jedwede Form von neuen Finanzierungsmitteln ab, deutlich weniger als zu Jahresbeginn.

Chipkarte statt Krankenschein

Die Chipkartengebühr soll in erster Linie pro Arztbesuch 50 Schilling (3,63 Euro, Anm.) anstelle der bisherigen Krankenscheingebühr kosten. Eine jährliche Gebühr von 500 Schilling (36,34 Euro, Anm.) für die Chipkarte bei gleichzeitiger Abdeckung aller Arztbesuche befürworten 22 Prozent der Patienten. Eine Gebühr von 1000 Schilling (72,67 Euro, Anm.) pro Jahr, bei der alle Besuche bei Allgemeinmedizinern und Fachärzten sowie Spitalsambulanzen abgedeckt sind, wird lediglich von 15 Prozent der Patienten befürwortet.

Knapp jeder vierte (24 Prozent) lehnt eine Chipkartengebühr kategorisch ab.

Mehr Investitionen in Vorsorgemedizin

Trotz der vorangegangenen Fragestellungen über Finanzlücken, Leistungskürzungen und Selbstbehalte sprechen sich 43 Prozent der Wiener Bevölkerung dafür aus, daß höhere Mittel als bisher in die medizinische Vorsorge fließen sollten. 47 Prozent aller Befragten hält den bisherigen Mitteleinsatz für ausreichend.

86 Prozent der Patienten befürworten den Vorschlag, daß bei jeder Packung Zigaretten ein Gesundheitsschilling aufgeschlagen wird, der zweckgebunden in die Gesundheitsvorsorge fließen soll.

Dorner faßt zusammen: "Es zeigt sich ein klares Stimmungsbild innerhalb der Bevölkerung: Eindeutige Ablehnung von Leistungskürzungen, mehrheitliche Ablehnung von zusätzlichen Belastungen für die Patienten bei gleichzeitiger Akzeptanz von geringfügigen Beitragserhöhungen." Wolfgang Bachmayer fügt hinzu:
"Die Ablehnung von Selbstbehalten hat im Vergleich zum letzten Jahr weiter abgenommen, gleichzeitig ist die Zustimmung zu Beitragserhöhungen im Jahresvergleich etwas angestiegen. Das klare Nein zu Leistungskürzungen bleibt hingegen unverändert."

Diese sehr klare Haltung der Wiener Bevölkerung sei bei häufigen Arztbesuchern, Frauen und Pensionisten noch deutlicher ausgeprägt.

Dorner abschließend: "Die Umfrage bestätigt unsere Forderungen nach mehr Geld für das Gesundheitssystem durch moderate Beitragserhöhungen bei einem strikten Nein zu Leistungsminimierung beziehungsweise Rationerungen." In der Frage der Gesundheitsversorgung und Kassenfinanzierung nehme die Wiener Bevölkerung eine solidarische Haltung ein, "also Gesunde und Kranke finanzieren das System gleichermaßen". Dieser Gedanke sei auch "enorm wichtig", unterstrich der Ärztechef. (bb/hpp)

(Forts.)

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