"Kleine Zeitung" Kommentar: "Geld ohne Staat" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 03.01.2002

Graz (OTS) - Zu den Vorrechten der Kaiser, Könige und sonstiger Fürsten gehörte das Münzprivileg. Sie allein durften Geldstücke prägen und in Umlauf bringen. Das Bild der Herrscher auf den Münzen war nicht nur ein Zeichen ihrer Macht, sondern zugleich ein Unterpfand, dass der Landesherr dafür garantiert, dass für sein Geld auch die Gegenleistung erbracht wird.

Der Euro bricht mit dieser jahrtausendalten Tradition. Noch nie in der Geschichte gab es eine Währung, hinter der nicht die Autorität der Territorialmacht oder des Nationalstaates stand. Der Euro ist das erste Geld ohne Staat.

Daran kann man die Kühnheit des Experimentes ermessen. Und zugleich die Folgerung ableiten, dass mit einer gemeinsamen Währung das gemeinsame Europa noch lange nicht erreicht ist.

Wenn die Neugierde und Begeisterung über die glänzenden Münzen und die bunten Banknoten verflogen sein werden, holt uns wieder der Alltag ein. Dann wird sich zeigen, dass die Europäische Zentralbank die Stabilität der neuen Währung allein nicht sichern kann. Auch die Finanzminister müssen im Gleichschritt voranschreiten. Bugedtdisziplin steht im Marschbefehl. Der Euro ist der Vorgriff auf das künftige Europa.****

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