2001: Es wird ein gutes Jahr von Jens Tschebull - Kommentar 4.1.2001

Wien (OTS) - Mit grosser Mühe, einem gehörigen Schuss Resignation, genügend Hass auf die Regierung, konsequentem Zweckpessimismus und neurotischer Furcht vor allen möglichen Turbulenzen kann es gelingen, ängstlich jammernd zum Blindflug in das beginnende Wirtschaftsjahr zu starten. Ein nüchterner Beobachter erkennt über dem jahreszeitlich bedingten Hochnebel allerdings blauen Himmel, der einen ruhigen Steigflug der Wirtschaft verspricht. Der mediale Wachstumsfetischismus verleitet dazu, eine Verlangsamung der Zuwachsgeschwindigkeit (von 3,3 auf 2,6 Prozent des BIP) gleich als Schubumkehr darzustellen. Das ist so, als wollte man jemandem weismachen, ein Auto, das zunächst mit 130 und dann nur noch mit 100 km/h unterwegs ist, sei stehen geblieben und rolle zurück. Wer das glaubt, und aussteigt, fällt gewaltig auf die Nase. Ein Wachstum von 2,6 Prozent wie es das Wifo jetzt für 2001 vermutet, bedeutet einen Wohlstandszuwachs von rund 80 Milliarden Schilling auf den vorhandenen BIP-Polster in der Grössenordnung von 3000 Milliarden im Jahr, aufgeteilt auf Löhne, Gewinne, Kapitalerträge (z.B. Sparzinsen) etc. Eigentlich kein Grund zur Traurigkeit. Der private Konsum, der im Vorjahr inflationsbereinigt um 2,7 Prozent gewachsen ist, wird laut Wifo heuer neuerlich um zwei Prozent steigen. Die Arbeitslosenrate (in Prozent der unselbstständig Erwerbstätigen) soll von 5,9 auf 5,3 Prozent sinken. Für die Exporte, die im Vorjahr um zwölf Prozent gewachsen sind, wird eine reale Steigerung um sieben Prozent erwartet; Also keineswegs ein Rückschlag, sondern eine weitere Verbesserung. Einziger Rettungsanker für Pessimisten ist die Konjunkturabschwächung in den USA und die Wertsteigerung des Euro, die den Export in den Dollarraum erschweren könnte. (Wer erinnert sich noch an die aufgeregten Schlagzeilen "Euro stürzt ins Bodenlose³?) Wenn der amerikanischen Wirtschaft, die jahrelang die Spur für den konjunkturellen Langlauf in aller Welt gezogen hat, tatsächlich die Puste ausgeht, kann man das in vorauseilender Verzweiflung bejammern. Man könnte aber auch darauf bauen, dass Europa für die nächste Konjunkturetappe zum Spurmacher der Weltwirtschaft wird. Es wird eine Freude sein, im Jahr 2001 zu wirtschaften; Es sei denn: siehe oben. (Schluss) JT

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