"Neue Zeit" Kommentar: "Tarnen und Täuschen" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 6. Jänner 2000

Graz (OTS) - Tarnen und Täuschen lautet seit Wochen die Grundregel der österreichischen Innenpolitik. In dieses Spiel hat sich in dieser Woche auch Jörg Haider wieder vermehrt eingeschaltet. Und wie es derzeit üblich ist, springt auch er im 24-Stunden-Takt von einer Variante zur anderen, um hinterher auf jeden Fall recht gehabt zu haben.

So hat Haider in dieser Woche zuerst VP-Chef Wolfgang Schüssel die Kanzlerschaft von seinen Gnaden angeboten. Er wolle ohnehin in Kärnten bleiben. Für Schüssel sollte das eine gefährliche Drohung sein: Haider hat von 1983 bis 1986 schon einmal von Kärnten aus eine Bundesregierung ins Wanken gebracht, in der seine eigene Partei saß. Und da war er noch nicht einmal Bundesparteiobmann. Gestern relativierte er auch schon wieder. Um die Frage: "Wer bietet wem den Kanzler an, geht es doch gar nicht", lautet die neue Sprachregelung. Wie lange? Einem ist Haider über die Woche aber treu geblieben:
Seiner zunehmenden Verärgerung über Thomas Klestil, den er gestern aufforderte, "nicht den Friedensrichter zu spielen". Subjektiv mag man Haider verstehen: Wozu hat er sich als Wahlhelfer Klestils betätigt, wenn dieser ihn jetzt von den Schalthebeln der Macht fernhalten will? Die Verfassung, auf die sich Haider gestern berief, hat Klestil allerdings auf seiner Seite: Sie macht ihn zum Herren der Regierungsbildung - und nicht die Parteien. Und schon gar nicht einen, der ohnehin "in Kärnten bleiben will".

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