"Neue Zeit" Kommentar: "Klimas Vorsatz" (von Helmut Griess)

Ausgabe vom 5. 1. 2000

Graz (OTS) - Einen Neujahrsvorsatz hat Viktor Klima dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" anvertraut: Sollte er noch einmal Regierungschef werden, will er - "im Sinne meiner alten Tugenden" -nur mehr das "tun, wovon ich überzeugt bin". Ansonsten solle es "jemand anderer machen".

Ganz wird sich dieser Vorsatz in keinem Fall erfüllen lassen, denn so völlig ohne Berater lässt sich keine Politik machen. Aber es kommt auf die Auswahl an. Und es kommt auf die Rolle an, die ihnen zugestanden wird: Ob sie wirklich nur "beraten", oder ob ihnen Macht über den Politiker und seine Partei zugestanden wird. Im Wahlkampf haben viele einen Viktor Klima erlebt, dem die Spontaneität und Herzlichkeit abhanden gekommen waren, die ihn in den Anfängen seiner Kanzlerschaft ausgezeichnet hatten. Zu vieles wurde dem Schielen auf Einschaltquoten und den Wünschen bestimmter Medien geopfert. Zu sehr wurde die Meinungsforschung missbraucht, um vermeintliche "Knüller" zu platzieren, auch wenn sie sich, wie die Umstellung auf ein Berufsheer, als "Rohrkrepierer" erwiesen. Nach der Wahl hat Klima jede Diskussion um seine engere personelle Umgebung abgeblockt. Das war wahrscheinlich richtig, um dem Mißverständnis zu entgehen, hier sollten nur Sündenböcke gefunden werden. Aber sobald die Regierungsverhandlungen so oder so zu Ende gegangen sind, wird es Änderungen geben müssen. Wenn nicht, war Klimas schöner Vorsatz vergeblich.

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