"Der Standard" Kommentar: "Ein paar Tropfen Wermut" (von Michael Hann)

Ausgabe vom 5.1.2000

Wien (OTS) - Die neuesten Zahlen aus der Arbeitsmarktstatistik
haben bei den Verantwortlichen den üblichen Jubel ausgelöst. Nun soll auch keineswegs geleugnet werden, dass Öster- reich im internationalen Vergleich mit seiner niedrigen Quote durchaus erfolgreich abschneidet. Allerdings müssen sich die Arbeitsmarktpolitiker auch an ihren eigenen Zielen messen las- sen. So soll nach den in Brüssel hinterlegten Plänen die Ar-beitslosenquote im Jahr 2002 in EU-Rechnung nur noch 3,5 Pro- zent nach 4,2 Prozent im vergangenen Jahr betragen.

Nun haben die Wirtschaftsforscher bereits darauf hingewie- sen, dass die Erreichung dieses Ziels nicht mehr realistisch ist. Es werde eine Drei vor dem Komma geben, aber sicher keine Fünf, sondern eine höhere Ziffer dahinter. Es sei denn, die Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik, also für Schulungen, wer- den wesentlich aufgestockt. Aber bereits heuer fehlen 1,3 Milli- arden Schilling.

Schließlich ist auch zu berücksichtigen, dass jene, die um- oder eingeschult werden, zwar aus der Statistik fallen, aber noch lange nicht auf einem Arbeitsplatz landen. Fairerweise soll nicht verschwiegen werden, dass nach den bisherigen Er- fahrungen etwa jeder zweite einen Job findet. Wenn man die Statistik aber um diese Qualifikanten bereinigt, dann betrug der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Dezember nicht mehr zehn, sondern nur noch zwei Prozent. Und wenn man gegenrechnet, dass jeder dritte Arbeitslose eine Zusage auf Wiedereinstellung hat, zeigt sich ein weiteres Problemfeld: In gewissen Branchen (Bau, Fremdenverkehr) ist es eben üblich, Auslastungsproble- me der Arbeitslosenversicherung aufzuhalsen. Ein billiger Weg - allerdings nur für die Firmen und deren Angestellte, nicht für die Gemeinschaft der Zahler der Arbeitslosenversicherung.****

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