"WirtschaftsBlatt" über Kroatien Willkommen zurück in Europa! von Herbert Geyer

Ausgabe vom 5.1.2000

Wien (OTS) - Das Oppositionsbündnis aus Sozialdemokraten und Sozialliberalen, das die kroatischen Wahlen überzeugend gewonnen hat, war mit dem Versprechen angetreten, die Wirtschaftsentwicklung zu beschleunigen, das Parlament zu stärken und Kroatien für Europa zu öffnen. Der Sieg der Opposition über die nationalistische HDZ des verstorbenen Autokraten Franjo Tudjman ist daher nicht nur ein später Sieg der Demokratie, sondern auch ein Signal für die wirtschaftliche Öffnung. Das ist gut für Kroatien, gut für Europa, gut für Österreich. Denn Kroatien gehört als Teil der alten Donaumonarchie zum wirtschaftlichen Hinterland Österreichs genau so wie Ungarn, Tschechien oder die Slowakei - von Slowenien, das gern als "10. Bundesland" eigemeindet wird, gar nicht zu reden. Dass österreichische Investoren bisher in Kroatien sehr zurückhaltend agierten, ist hauptsächlich auf Versäumnisse der Politik zurückzuführen. Ein investitionsfreundlicheres Klima, mehr Sicherheit und die Aussicht auf eine längerfristig stabile Entwicklung hin nach Europa können dort schon in wenigen Jahren Wunder wirken. Dass die neue Regierung gerade das verspricht, sollte ihr einen Vertrauensvorschuss sichern. Mehr allerdings nicht. Denn über die allgemeine Freude über die Abwahl der korrupten Nationalisten der HDZ darf doch nicht vergessen werden, dass auch die Karriere des designierten neuen Ministerpräsidenten Ivica Racan nicht erst nach 1991 - nach der Unabhängigkeit und Demokratisierung Kroatiens -begonnen hat. Racan war davor strammer KP-Chef der jugoslawischen Teilrepublik Kroatien. Ex-Kommunisten haben zwar in fast allen Staaten des ehmals kommunistischen Ostens bewiesen, dass sie durchaus lernfähige Sozialdemokraten sein können - ein ausgeprägtes Profil als Reformer und Liberalisierer der Wirtschaft konnten sie sich bisher kaum erwerben. Die Wahlniederlage der HDZ ist also ein wichtiger erster Schritt Kroatiens zur Heimkehr nach Europa - der Weg wird aber noch lang sein. Und es wird sicher auch von Europa abhängen, wie konsequent die kroatische Bevölkerung diesen Weg mitzugehen bereit sein wird: Wirtschaftshilfe für den von Krieg und Balkankrisen gebeutelten Staat wird unerlässlich sein. (Schluss) hg

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