"Kleine Zeitung" Kommentar: "Spiegelbild" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 5.1.2000

Graz (OTS) - Was aus den Räumlichkeiten in einer aufgelassenen Molkerei geworden ist, in die sich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Andreas Rudas mit seinen Mitstreitern im letzten Sommer zurückgezogen hat, um den Wahlkampf zu managen, ist unbekannt.

Es handelte sich weder von der Lage noch von den Mietern her um eine Top-Adresse.

Zwar wurde die zeitweilige Wahlzentrale frei nach Winston Churchills Kriegskabinett als War Room bezeichnet und die Nutzer ließen sich mit Spin Doctors anreden. Rudas wurde nämlich die Gabe nachgesagt, er könnte so lange an einer Person drehen, bis sie genau dem Bild entspricht, das die Mehrheit der Wähler erwartet.

Die Praxis schaute bekanntlich anders aus als die Theorie: Der immerzu lächelnde SPÖ-Chef wirkte in der Wahlnacht nur noch Mitleid erregend.

Viktor Klima hat daraus die Lehren gezogen. Auf den Vorhalt des Spiegel, zur Marionette seiner PR-Strategen verkommen zu sein, sagte der Noch-Bundeskanzler, er habe sich vorgenommen, "nur noch das zu sagen und zu tun, wovon ich überzeugt bin".

Ein Blick in den Spiegel trägt zur Selbsterkenntnis bei. Klima hätte ihn schon vor dem 3. Oktober riskieren sollen.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung,
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ/OTS