Ludwig Adamovich: "Politiker schrecken vor manchem zurück, was unpopulär, aber notwendig ist". - Der Präsident des Verfassungsgerichtshofes ortet einen

"Geburtsfehler der Demokratie, nämlich, daß die Vorstellung, das Volk regiert sich selbst, zu stark idealisiert ist". Vorausmeldung zu NEWS Nr. 1/5.1.2000

Wien (OTS) - Der Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, Ludwig Adamovich, ist der Ansicht, daß Politiker in Österreich "vor manchem zurückschrecken, was unpopulär, aber notwendig ist". Dies erklärt Adamovich in einem Interview mit dem morgen erscheinenden Nachrichtenmagazin NEWS. Der Grund dafür liege im politischen System Österreichs, indem die Parteien "immer den Aspekt der Stimmenmaximierung im Auge behalten müssen. Es ist die große Gefahr, daß die Politik die Stimmenmaximierung im Auge hält, die Wirtschaft die Gewinnmaximierung und, daß die Verantwortung daneben untergeht". Auf die Frage, ob die Demokratie in Österreich nicht reif genug für die Zukunft sei, antwortet der Präsident des Verfassungsgerichtshofes: "Die Demokratie leidet gewissermaßen an einem Geburtsfehler. Nämlich, daß die Vorstellung, das Volk regiert sich selbst, zu stark idealisiert ist. Das kann in einer modernen Gesellschaft nicht funktionieren. Das hat in den griechischen Stadtstaaten funktioniert, wo ein kleiner Personenkreis entschieden hat, was passieren soll. Und es funktioniert vielleicht noch in einzelnen Schweizer Halbkantonen. Jede andere Demokratie braucht ein gewähltes Repräsentativorgan, das mit der Vorstellung auftritt, "im Namen des Volkes" zu regieren. Natürlich tut sich da ein autoritäres System leichter, aber um einen Preis, den man heute nicht bezahlen will."

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