BÉATRICE STÄHLI - WIENER BLUT

Wien (OTS) - Beatrice Stähli - Wiener Blut

Pressekonferenz: 17. Februar 1998, 10.30 Uhr, MAK-Café
Eröffnung: 17. Februar 1998, 19.00 Uhr
Dauer: 18. Februar - 13. April 1998
Ort: MAK-Galerie
MAK - Österreichisches Museum für
angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr,
Mo geschlossen

Für ihre Ausstellung WIENER BLUT, die vom 18. Februar bis 13. April 1998 in der MAK-Galerie zu sehen ist, schuf die Schweizer Künstlerin Béatrice Stähli drei Arbeiten, in denen sie sich mit der Stadt Wien - ihrem derzeitigen Lebensmittelpunkt - auseinandersetzt. Zeitgerecht zum Wiener Opernball greift sie kritisch die Highlights des Wiener Kulturtourismus auf: die Oper und das Ballett. Anhand von präparierten Tierteilen untersucht sie auf bewußt irritierende und widersprüchliche Weise die Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Gesellschaft.

Zucht und Dressur sowie das Verhältnis von Mensch und Tier sind zentrales Thema der Arbeit Hommage an die Kinderballettschule. Die zum Teil schmerzhafte Schulung kleiner Kinder im klassischen Ballett steht im Gegensatz zu deren meist unbeschwerten Natur. Eine Ambivalenz, die Stählis mobileartige Rauminstallation metaphorisch mit farbigen Paradiesvögeln, bunten Wasserbällen und bemalten Ballettschuhen ausdrückt. Diese Elemente stehen für Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Lebensfreude. Sie beschreiben aber auch die Grenzen, die dem Spielerischen gesetzt werden, so am Beispiel der Paradiesvögel, die als schmückende Haustiere vom Menschen in Käfige gesperrt werden.

Das überdimensionale Mobile Wiener Opernball verbindet auf ironische Weise Archaisches mit den artifiziellen Ausformungen der Hochkultur. Die Arbeit besteht aus großen Fahrradfelgen, in die mit speziell angefertigten Speichen präparierte, schlanke, sehnige Rothirschbeine in Ballettschuhen gespickt sind. Diese nehmen Beinstellungen des klassischen Balletts wie das Grand Allegro, das Grand Plié oder die Arabesque ein. In Wiener Opernball reflektiert Stähli den Tanz als ästhetischen Akt, der ohne Hilfsmittel nur aus dem Körper heraus wirkt, im Sinne einer Domestikation der Natur. Die Rothirschbeine stehen für das Barbarische des klassischen Ballettwesens, das die Tänzer einem strikten Bewegungskodex unterwirft und sie in künstliche, manchmal schmerzhafte Haltungen zwingt. Im Gegensatz dazu steht wiederum die Luftigkeit des Mobiles, die an den Zauber und die scheinbar schwerelosen Körper des klassischen Balletts erinnert.

Motorische Bewegung ist das zentrale Moment der Installation Verführung. Aus einer 4,5 Meter hohen und 2,5 Meter breiten und tiefen Holzbox treten regelmäßig unterschiedlich große, mit Schlangenhäuten "bereifte" Hochräder hervor, die sich einem Lockvogel gleich wieder in das unsichtbare Innere der Kiste zurückziehen. Verführung thematisiert u. a. die ständig zunehmende Geschwindigkeitder Lebensabläufe, der Fortbewegung, der Informationsvermittlung, die die moderne Gesellschaft prägt und das menschliche Maß sprengt. Der Mensch fällt der Verlockung der höheren Geschwindigkeit anheim und übersieht in seiner Hast, daß er selbst von der Zeit dressiert wird. Die maschinell gesteuerten Bewegungssequenzen der Räder stehen für das reibungslose Funktionieren, die Angepaßtheit, das Einfügen in vorgegebenen Systeme und somit den Verlust des Individuellen.

Béatrice Stählis Arbeiten sprechen nicht zuletzt durch die Verwendung präparierter Tierkörperteile oder Häute eine physisch direkte, konfrontative bis aggressive Sprache. Dennoch ist den Installationen eine auf ausgewogenen formalen Lösungen basierende Poesie eigen. Innerhalb dieser beiden Pole entwickelt sich jene Widersprüchlichkeit, die Béatrice Stählis Arbeiten ins Spannungsfeld zwischen Natur und Kultur rückt.

Ausstellungsdaten BÉATRICE STÄHLI - WIENER BLUT

Pressekonferenz 17. Februar 1998, 10.30 Uhr, MAK-Café
Eröffnung 17. Februar 1998, 19.00 Uhr
Dauer 18. Februar - 13. April 1998
Ort MAK-Galerie
MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien
Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr,
Mo geschlossen

Gastkurator Barbara Plankensteiner
Projektleitung Bettina M. Busse

Publikation Béatrice Stähli: Wiener Blut in Zeitungsform
Mit Beiträgen von Peter Noever, Robert Schindel, Christa Steinle.
Hrsg.: Peter Noever.
8 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen,
46,5 x 31,5 cm.

Feiertage 12. 4. Ostersonntag 10.00 - 18.00 Uhr
13. 4.Ostermontag 10.00 - 18.00 Uhr

MAK-Eintritt öS 90.-/öS 45.- ermäßigt für Schüler, Studenten, gesamt Senioren ab 60, Soldaten, Zivildiener,
Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10,
Mitglieder der Ges. f. Österr.
Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr.
Schulklassen.

Rückfragen & Kontakt:

Museum für angewandte Kunst
Dorothea Apovnik
Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

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