"OTTO MÜHL 7"

Wien (OTS) - Ausstellung "Otto Mühl 7"

Pressekonferenz: 17. Februar 1998, 10.30 Uhr, MAK-Café Eröffnung: 17. Februar 1998, 20.00 Uhr
Dauer: 18. Februar - 5. April 1998
Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle Erdgeschoß
MAK - Österreichisches Museum für
angewandte Kunst
Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien
Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr , Mo geschlossen

Mit der Ausstellung "Otto Mühl 7" zeigt das MAK von 18. Februar bis 5. April 1998 erstmals umfassend die aktuellen Arbeiten des Wiener Aktionisten und Kommunengründers Otto Mühl. 160 Werke, die alle in den vergangenen sieben Jahren in Haft entstanden sind, spiegeln auf eindringliche Weise Mühls zentrale Themen: Sexualität, Kirche und Gesellschaft. Seine gegenständliche, auf starke Konturen und kontrastreiche Farbflächen setzende Malerei deklariert sich offen als atheistisch, antiklerikal, dionysisch und von unverhohlener Direktheit. Innerhalb seiner künstlerischen Entwicklung hat Mühl durch die Konzentration auf die zweidimensionale Bildfläche, die harte Akzentuierung und die dynamische Komposition zu einer noch kraftvolleren, radikaleren Ausdrucksweise gefunden.

Die Gefängniszelle mit Bett, Tisch, Sessel, Waschbecken und Klosett ist eines der zentralen Bildthemen der ersten Jahre. Als Bewohner der Zelle tritt ein Affe auf, an den Wänden hängen ein Kreuz und Porträts des Affen, in der Tür steht ein uniformierter Affe mit einem Brief. Oder als Kontrast unter dem Titel "Erinnerung an El Cabrito" ein freudig staunender Affe auf einer Insel mit einer Palme und blitzblauem Meer. Nach der Auseinandersetzung mit dem unmittelbaren Lebensumfeld der Gefängnisrealität treten gesellschaftspolitische, elementare und nicht zuletzt kunstimmanente Themen in den Vordergrund. Werke wie "Der Tod, ein perverser Knabe", auf dem ein Skelett nach den Brüsten einer nackten Frau greift oder "Gott im Rücken", das einen Kardinal miteinem Ziegenbock im Rücken darstellt, thematisieren in bewußt provokanter Art Tod, Moral und Kirche.

Eine ganze Serie von Arbeiten ist dem "Talkmaster" Hermes Phettberg gewidmet. Die Bilder zeigen Phettberg als Gekreuzigten, dessen Kreuz die Inschrift "Phetty tilgt eure Sünden" trägt, oder als Heiligen Sebastian mit Pfeilen gespickt unter dem Titel "Saint Phetty: Grüße vom Gesindel". "Phetty Baby" hingegen stellt Hermes Phettberg als Baby dar, allerdings mit Dornenkrone und Heiligenschein, am Busen einer überdimensionalen, über ihn gebeugten und ihn beinahe begrabenden nackten Frau in Hinteransicht, Milch trinkend und dabei in orgastische Zustände verfallend. Ejakulierend dargestellt ist auch der nackte Mann in der "Apotheose des Marcel Duchamp", dem eine ebenfalls nackte Frau ein Urinoir, Duchamps "Fountain", bereithält. Oder es wird Picasso in einem weihnachtlichen Bild mit einem sich an einer Frau vergreifenden Satyr unter einem Christbaum mit "Pablo, it is enough" gerügt. Mühl findet in seinen jüngsten Arbeiten zu einer eindeutigen, auf starke Kontraste aufgebauten und formal verdichteten Bildsprache.

Otto Mühls künstlerische Anfänge in den frühen sechziger Jahren sind geprägt von der "Überwindung der Tafelbildes durch die Darstellung seines Vernichtungsprozesses". In plastischen Experimenten negierte Mühl den klassischen Aufbau der Skulptur nach den statischen Spielbein-Standbein-Regeln und propagierte eine völlig freie Behandlung des Materials, vorzugsweise Gerümpel, Alteisen, Holz und Farbe. In Folge fanden die ersten, zum Teil gemeinsam mit Hermann Nitsch, veranstalteten Aktionen statt, die teilweise noch sehr der Aktionsmalerei und der Materialmontage verbunden waren. In späteren Aktionen, u. a. mit Günter Brus, trat an die Stelle der Materialaktion ein Aktionstyp, bei dem der Körper selbst und seine Funktion als Material begriffen wurde. Mühl ging es dabei jedoch weniger um die monologische Körperanalyse, sondern bereits um einen kollektiven analytischen Prozeß, der später immer dominanter wurde und 1972 in der Gründung der Kommune in Wien und später am Friedrichshof als gelebtes Konzept einer Gegengesellschaft mit freier Sexualität, kollektivem Eigentum und der Förderung gestalterischer Kreativität gipfelte. Das Experiment scheiterte und führte 1991 zu einem Prozeß, in dem Mühl wegen strafbarer Handlungen gegen die Sittlichkeit und das Suchtgiftgesetz angeklagt und in Folge zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Diese Zeit, die Mühl großteils in den Justizanstalten Eisenstadt, Stein und Mittersteig verbracht hat, standen im denkbar krassesten Gegensatz zu seinen gesellschaftlichen Idealen. Dennoch war sie von einer starken Produktivität geprägt, die sich in unzähligen Briefen und in einer Fülle von Ölbildern, Collagen und Zeichnungen äußert.

In einem Brief an seine Frau Claudia bezeichnete er die Haft als eine "taucherglocke, mit der ich in die tiefe des gefühls steige und fähig werde, was ich spüre und erlebe, in bilder umzusezten. freiwillig macht das keiner, die kulturleistung wird durch den widerstand der realität, durch das scheitern erzwungen."

Am 11. Februar 1998 wird Otto Mühl unter dem Titel "Aus dem Gefängnis 1991 - 1997" im Burtheater eine Lesung geben.

Ausstellungsdaten - "OTTO MÜHL 7"

Pressekonferenz17. Februar 1998, 10.30 Uhr, MAK-Café
Eröffnung17. Februar 1998, 20.00 Uhr
Dauer18. Februar - 5. April 1998
Ort MAK-Ausstellungshalle Erdgeschoß
MAK - Österreichisches Museum für angewandte

Kunst
Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien

ÖffnungszeitenDi - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

LesungOTTO MÜHL liest "Aus dem Gefängnis" im
Burgtheater
11. Februar 1998, 20.30 Uhr

OrtBurgtheater, Dr. Karl Lueger-Ring 2,
A-1010 Wien
Eine Veranstaltung von MAK & DIE andere BURG
Eintrittskarten unter Tel. 514 44-2218
Kartenvorverkauf ab 20. Jänner 1998,

halbe Preise.

AusstellungOtto Mühl, Peter Noever
GastkuratorDanièle Roussel
ProjektleitungBettina M. Busse

KatalogOTTO MÜHL 7
Hrsg. Peter Noever, ca. 150 Seiten,
ca. 110 Abbildungen, Cantz Verlag, Stuttgart

FührungenSchulklassen, Gruppen und Sondertermine gegen
Anmeldung, Frau Gabriele Fabiankowitsch.
Tel. 711 36-298

MAK-EintrittöS 90.-/öS 45.- ermäßigt für Schüler,
Studenten,
Senioren ab 60, Soldaten, Zivildiener,
Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder

der Ges. f. Österr. Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Rückfragen & Kontakt:

Museum f. angewandte Kunst
Dorothea Apovnik
Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

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