Wirtschaft: ÖGB-Vorschläge zur Lehrausbildung kontraproduktiv

Tichy-Schreder fordert finanzielle und bürokratische Entlastung der Betriebe bei der Lehrlingsausbildung

Wien (PWK) - "Mit dem geforderten Ausbau von selbständigen Ausbildungseinrichtungen für Jugendliche und der Einrichtung einer Berufsfachschule will die Gewerkschaft offenbar entgegen aller Beteuerungen die erfolgreiche duale Lehrlingsausbildung in Betrieb und Berufsschule torpedieren", kritisiert die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich, Ingrid Tichy-Schreder, entsprechende Vorschläge von ÖGB und AK: "Das sogenannte "triale System", das die Arbeitnehmervertreter anstreben, bedeutet nichts anderes als die Nutzung aufgeblähter Berufsschulkapazitäten und teurer Lehrwerkstätten. Hier sollen Milliardenbeiträge aus dem Arbeitsmarktbudget in fragwürdige Jugendbeschäftigungsprogramme gepumpt werden. Das ist zur Ausbildungssicherung kontraproduktiv." ****

Im trialen System rechnet das AMS mit ca. 18.000 Schilling an Kosten pro Lehrling und Monat. Diesem Betrag stehen praktisch keine Kosten für die Öffentlichkeit bei der normalen Lehrlingsausbildung seitens der Betriebe gegenüber, da diese die Ausbildungskosten und auch die Lehrlingsentschädigung voll tragen. Tichy-Schreder: "Das einzig positive am "trialen System'ist, daß es die enorme Ausbildungsleistung der Betriebe in der Lehrlingsausbildung sichtbar macht. Und es zeigt auch, wie kostengünstig die Lehrlingsausbildung in Österreich für Staat und Gesellschaft ist. Ich habe aber wenig Verständnis für ein Ausbildungsprogramm, das einerseits primär ein Beschäftigungsprogramm für das bfi, für Berufsschulen und Lehrwerkstätten darstellt und andererseits - noch dazu vom Markt abgekoppelt - vor allem dort Jugendliche ausbildet, wo Schulkapazität, nicht aber eine Nachfrage des Arbeitsmarktes besteht. Das wird direkt in eine Jugendarbeitslosigkeit münden."

Abgelehnt wird von Tichy-Schreder auch die nach wie vor von der Gewerkschaft geforderte Ausbildungsabgabe für Betriebe, die selbst nicht ausbilden: Diese Strafsteuer vernichte bloß Lehrstellen, schaffe neue Ungerechtigkeiten und eine neue Umverteilungsbürokratie. Niemand werde neue Lehrstellen schaffen, nur weil er sonst eine Abgabe zu zahlen habe. Im Gegenteil: Die hohe Abgabenlast der Wirtschaft ist eine der Ursachen für den Verlust von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.

Nachdenklich stimmt Tichy-Schreder, daß der ÖGB mit Ausnahme der Entwicklung neuer Lehrberufe keine strukturelle Reform der Lehrlingsausbildung anstrebt, die es den Betrieben erleichtert, zusätzliche Lehrplätze anzubieten. Die Wirtschaft hat dagegen ein Alternativprogramm entwickelt, bei dessen Verwirklichung genügend Lehrplätze für alle ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen in Österreich angeboten werden können:

* Schaffung einer Teillehre für Jugendliche, die (noch) nicht lehrvertragsreif sind;

* dreimonatige WIFI-Kurse, die Jugendliche lehrvertragsreif machen;

* Akquisitionsberater bei den Lehrlingsstellen, die neue Lehrausbildungskapazitäten erschließen;

* Refundierung der Lehrlingsentschädigung für die Zeit des Berufsschulbesuches für alle Betriebe anstelle des derzeitigen Wildwuchses an Subventionen und Förderungen von AMS und Ländern;

  • spezieller Steuerabsetzbetrag für die Lehrlingsausbildung;
  • leichtere Lösbarkeit von Lehrverträgen bei Aufrechterhaltung des legitimen Schutzes der Lehrlinge;

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Dr. Georg Piskaty
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