- 28.04.1997, 18:44:13
- /
- OTS0211
Nachrichtenmagazin NEWS erhielt von Kontrollbankchef Gerhard Praschak 120 Seiten lange Dokumentation zu seinem Selbstmord
Vorausmeldung zu NEWS 18/97 Praschak belegt in Dokumentation an NEWS parteipolitisches Manöver zum Wechsel der Spitzenposten in Bankensektor. Praschak erhebt schwere Vorwürfe :"Ich bin an der Politik gescheitert!"
Wien (OTS) - Der Vorstandsdirektor der österreichischen
Kontrollbank Gerhard Praschak hat vor seinem in der Nacht auf Sonntag
erfolgten Selbstmord eine 120 Seiten starke Dokumentation an das
Nachrichtenmagazin NEWS gesandt. Die 120 Seiten lange Dokumentation
besteht aus einem handgeschriebenen Protokoll aller Gespräche, die
Praschak rund um die Vorstandsbestellung von Ex-Minister Scholten mit
Kanzler Klima, Finanzminister Edlinger, den Bankdirektoren Randa und
Elsner sowie seinem Kollegen Scholten geführt hat.
In seinen Gedächtnisprotokollen, die er NEWS in einem kleine
Karton übersandte und die heute mittag beim Nachrichtenmagazin
eingetroffen sind, schildert Praschak minutiös, wie die Besetzung der
Bankdirektoren-Posten in Kontrollbank, Investkredit, Postsparkasse
und Creditanstalt - wie es Praschak selbst formuliert -
"auschließlich nach parteipolitischen Überlegungen erfolgt sind".
Praschak gibt als Grund für seinen Selbstmord ausschließlich die
Tatsache an, daß er seinen Posten für den früheren
Wissenschaftsminster Rudolf Scholten räumen sollte und sich dieser
"politischen Entscheidung" nicht fügen wollte. Praschak zitiert in
seinem Gedächtnisprotokoll zahlreiche Gespräche mit Banken und
Politikern, wonach Scholtens Wechsel in die Kontrollbank politisch
ausgemacht worden wäre.
NEWS veröfentlicht den Wortlaut von Praschaks Dokumentation in
seiner morgen, Dienstag, erscheinenden neuen Ausgabe.
Der Dokumentation an NEWS hatte Praschak seinen Abschiedsbrief
beigelegt. Darin heißt es wörtlich: "Mir wird klar, daß hier mit
verteilten Rollen gespielt wird und ich sage, ich sei dieser
andauernden Hahnenkämpfe müde...Das einzige, was mir noch bleibt im
Sinne Österreichs und der politischen Kultur ist, auf dieses System
der Ungleichgewichtigkeit hinzuweisen. Mir bleibt nur noch ein
verzweifelter Schritt und die einzige Hoffnung, daß die Wirkung für
Österreich nicht ausbleibt".
Der an NEWS zugesandten Dokumentation hat Gerhard Praschak
außerdem interne Schriftstücke der Kontrollbank beigelegt, aus denen
sich ergibt, daß die Kontrollbank 1994 bei der Ergebnisgestaltung
verdeckte Gewinnausschüttungen an ihre Eigentümer - darunter die Bank
Austria - in Höhe von 140 Millionen Schilling durchgeführt hat, ohne
dafür ordnungsgemäß Steuern gezahlt zu haben.
Rückfragehinweis: NEWS
Chefredaktion
ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS






