Neuer Justiz-Skandal in Österreich? (Vorausmeldung zu NEWS nr. 10/97) - Wiener Landesgericht entließ "Kinderporno-Dealer" Jiri K. aus der Untersuchungshaft

Wien (OTS) - Wenige Stunden vor der Fernsehsendung "Help TV" über Kindermißbrauch sorgt eine Meldung in der morgigen Ausgabe des Nchrichtenmagazins News für Aufregung bei Politikern und Justiz.

Laut NEWS hat das Wiener Landesgericht den "Kinderporno-Händler" Jiri K. aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Haftentlassung erfolgte bevor der Staatsanwalt seine Anklage fertiggestellt hat und ohne Information des in solchen Fällen zuständigen Justiz-Ministers.

Jiri K. erreichte in Österreich zweifelhafte Prominenz, als zwei News-Reporter im August vergangenen Jahres von ihm drei minderjährige slowakische Mädchen für Sexaufnahmen vermittelt bekamen. In Prospekten hatte Jiri K. über seine Agentur "Star-Club" 70 minderjährige Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren für Nacktfotos angeboten. Er wurde noch vor Erscheinen des Artikels verhaftet. Bei anschließenden Hausdurchsuchungen stellte die Polizeit zahlreiche Pornovideos mit Kindern und Adressenkarteien sicher.

Die Staatsanwaltschaft Wien arbeitet derzeit an der Anklage des Pornohändlers, hat diese aber noch nicht fertiggestellt. Trotzdem wurde Jiri K., wie News morgen meldet, am 7. Jänner nach vier Monaten Untersuchungshaft vom zuständigen Richter des Wiener Landesgerichtes aus der Haft entlassen und ist auf freiem Fuß.

Gegenüber News weigerte sich das Wiener Landesgericht, die Gründe für die Freilassung zu nennen. Bei den Recherchen stellte sich heraus, daß das Landesgericht auch den zuständigen Justizminister von der Freilassung nicht informatiert hat.

Ministersprecher Gerhard Litzka im morgigen News: "Ich bin über diese Vorgangsweise zutiefst verwundert. Dieser Fall ist von enormen öffentlichen Interesse und unterliegt daher der Berichtspflicht ans Ministerium. Ich habe die Kollegen im Landesgericht dringend aufgefordert, dieser Pflicht endlich nachzukommen und den Minister zu informieren, welche Gründe zur Freilassung geführt haben."

Bei Politikern aller Parteien herrscht über die Freilassung des "Kinderporno-Händlers" Enttäuschung und Empörung. Die Vorsitzende des Justizausschusses im Parlament, Maria Fekter, sagt in News, sie sei entsetzt: "Das Vorgehen der Justiz in diesem Fall kann man nur als blauäugig bezeichnen."

Die Freilassung von Jiri K. ist politisch besonders brisant, weil mit 1. März das auf Grund des Falles "Jiri K." reformierte Kinderporno-Gesetz in Kraft getreten ist, das Kinderpornohändler in Zukunft mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren droht.

Rückfragen & Kontakt:

NEWS Chefredaktion
Tel.: 213 12-101

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS