Einsatzmöglichkeiten von Gentechnik im Bereich der Land- und Lebensmittelwirtschaft

Wien (OTS) - Der Erfolg von Lebensmitteln auf dem Markt, die aus gentechnisch modifizierten Organismen oder mit deren Hilfe hergestellt werden, wird einerseits davon abhängen, welche qualitativen oder preislichen Vorteile sie bieten und andererseits davon, inwieweit es gelingt die Verbraucher von diesen zu überzeugen und etwaige Vorurteile gegen sie hintanzustellen. Klare und ausgewogene gesetzliche Regelungen sowie vernünftige und verständliche Informationen von Behörden, Schulen, Landwirtschaft, Industrie, Handel und Massenmedien müssen hierzu wesentlich beitragen.

Von den jeweiligen Märkten wird es auch abhängen, welche Produkte sich am besten durchsetzen. In Entwicklungsländern wird die Gentechnik primär ihren Beitrag zum Abbau der quantitativen (Kalorienmangel) und qualitativen Unterversorgung (Mangel an bestimmten Aminosäuren, Fettsäuren und Vitaminen) leisten, wobei wohl auch radikale Preissenkungen zu erwarten sind. In Industrieländern geht es primär um die Erzielung von Spitzenqualitäten, die weitere Anhebung der Sicherheits- und Umweltstandards und die kontinuierliche Produktivitätssteigerung.

Der Entwicklung der Gentechnik entsprechend werden derzeit noch primär Organismeneigenschaften verbessert, die durch die Veränderung eines einzelnen Gens modifiziert werden können. Schrittweise erfolgen dann Verbesserungen, die auf der Modifikation mehrerer Gene basieren. Desgleichen konzentriert man sich am Anfang auf einige wenige Pflanzen und Mirkoorganismen, deren Genome man bereits gut kennt und die von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sind. Die hierbei gewonnenen Erfahrungen und entwickelten Modifikations- und Prüfverfahren werden sodann auf andere Organismen übertragen. Der intensive Wettbewerb zwischen den großen Pharma-, Saatgut- und Chemiefirmen - die Träger dieser Entwicklung sind - führt dazu, daß für ein und dasselbe Problem häufig mehrere Lösungen erarbeitet werden, was auch völlig im Sinne der Verbraucher und der Öffentlichkeit ist.

Für die Landwirtschaft ergeben sich drei Zielrichtungen für den Einsatz der Gentechnik:

1. Entwicklungen zur Ertrags- und Produktivitätsverbesserung

2. Verbesserung der Produktqualität für Lebensmittel-Industrie und -Gewerbe

3. Verbesserung der Produktqualität für die Endverbraucher

Für Lebensmittel-Industrie und -Gewerbe ergeben sich zwei Zielrichtungen für den Einsatz von gentechnisch hergestellten Agrarprodukten, Mikroorganismen, Vitaminen, Aromen, Lebensmittelzusatzstoffen und technischen Hilfsstoffen:

1. Verbesserung von Produktivität und Umweltverträglichkeit

2. Verbesserung der Produktqualität für die Endverbraucher

Für die Endverbraucher werden Verbesserungen des Genuß- und Gebrauchswertes von Lebensmitteln sowie Preisreduktionen am überzeugendsten sein. Verbesserungen der ernährungsphysiologischen Qualität werden sie mangels Basiswissen zumeist nicht ausreichend honorieren, eine weitere Erhöhung des Sicherheitsstandards zwar einerseits, aber andererseits zurecht annehmen, daß diese in einem Rechtsstaat auch schon bisher ausreichend sein sollten. Der Informationsnachholbedarf über Qualitäts- und Sicherheitskriterien von Lebensmitteln und die modernen Methoden ihrer industriellen Herstellung ist gewaltig. Das Basiswissen hierzu müßte schon in den Schulen vermittelt werden. Wirtschafts- & Konsumentenschutzinformationen sollten darauf konsequent aufbauen. Erst dann ist es sinnvoll Informationen über Molekularbiologie, Gentechnik, Lebensmittel und Verbrauchersicherheit zu vermitteln. Geschieht dies nicht, so ist billigstem Populismus und Panikmache Tür und Tor geöffnet. Schon jetzt zeigen Meinungsumfragen klar und deutlich, daß Personen Gentechnik umso stärker ablehnen, je geringer, oberflächlicher und einseitiger ihr Wissen über diese ist.

Der Autor ist Hon.-Prof. Dr. Peter Czedik-Eysenberg an der Techn. Universität in Graz und Wien sowie an der Universität für Bodenkultur in Wien.

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