Vorausmeldung zu News Nr. 10/97 (06.03.1997)

- Affäre Prammer: Frauenministerin Prammer schaltet im Streitfall um ihren Mann die Gleichbehandlungs-Anwältin der Regierung ein.

- Arbeiterkammerdirektor kündigt Disziplinaruntersuchung an, will vorher aber "amikale Lösung".

- NEWS veröffentlicht dreiseitiges Protokoll der Affäre: Inhalt des Protokolls deutlich anders als bisher in der Öffentlichkeit geschildert.

- Frauenministerin Prammer kündigt in News Gesetzesänderung an. Belästigte Frauen sollen in Zukunft Kündigungsschutz bekommen und keine Beweislast mehr haben. =

Wien (OTS) - In einem Interview in der morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtemagazins NEWS kündigt Frauenministerin Barbara Prammer nächste Schritte in der Affäre um die angebliche sexuelle Belästigung einer Sekrtärin durch ihren Mann an. Prammer bestätigt in News, daß sie die Gleichbehandlungs-Anwältin der Regierung aufgefordert habe, in diesem Fall aktiv zu werden und der betroffenen Frau Hilfe anzubieten. Prammer fordert im News-Interview von der Arbeiterkammer, "daß der Fall wirklich aufgeklärt wird."

Der Vizedirektor der Linzer Arbeiterkammer, Gerhard Fida, kündigt im morgigen NEWS die Einleitung einer Disziplinaruntersuchung an. Der Ministergatte werde nicht anders behandelt als jeder andere Mitarbeiter. "Das Disziplinarrecht sehe, wenn sich die Vorwürfe der Frau als richtig erweisen, Konseqzenzen vor, die" - so Fida in News - "von einer Rückversetzung in eine niedrigere Gehaltsstufe bis zur Kündigung reichen könnten."

Das morgige NEWS berichtet, daß in der Linzer Arbeiterkammer bereits am 19. Februar ein dreiseitiges Protokoll aufgenommen wurde, in dem die Vorfälle im Büro von Ministergatten Wolfgang Prammer von der mittlerweile im Krankenstand befindlichen Sekretärin detailliert geschildert wurden. In dem Protokoll wurde der Vorfall von der Sekretärin wie folgt geschildert:

"Ich habe mich dann zum Weggehen angezogen und bin zu ihm ins Büro. Die Bürotüre habe ich nicht hinter mir geschlossen. Kollege Prammer ist aufgestanden und hat die Bürotüre zugemacht. Ich habe mich nicht niedergesetzt, sondern bin stehengeblieben, und auch Kollege Prammer ist stehengeblieben. Er hat mir dann Komplimente gemacht, daß ich so attraktiv bin und er sich mit mir gerne treffen möchte, und zwar noch heute. Er hat mir gleich einen Vorschlag für ein Treffen gemacht, und zwar im Steigenberger Hotel in Linz, mit Kerzenlicht und schöner Aussicht. Ich habe sein Ansinnen abgelehnt und gesagt, daß bei mir nein auch nein heißt, Ich habe ihm auch gesagt, daß ich mich nicht überreden lasse, weder von ihm noch von jemand anderem. Er hat dann weiter auf mich eingeredet, ich könne das nicht machen und könne ihn heute abend nicht allein lasse. Ich habe erst ab diesem Zeitpunkt den Ernst der Situation begriffen und habe wiederholt gesagt, ich will das nicht. Ich bin dann zur Tür gegangen. Er ist mir nachgegangen und hat mich daran gehindert, den Raum zu verlassen, indem er die Türschnalle zugehalten hat. Ich habe ihm wieder gesagt, daß ich gehen will, er hat sich daraufhin mir bis auf Tuchfühlung genähert und mich mehrmals auf die Wange geküßt. Dabei hat er mich an beiden Armen festgehalten."

Wolfgang Prammer bestreitet in News die Darstellung der Vorfälle entschieden und bezeichnet sie als "reine Erfindung". Die Sekretärin hätte psychische Probleme gehabt, er hätte nur helfen wollen.

Im morgigen News kündigt Frauenministerin Prammer die bevorstehende Reform der Gleichbehandlungsgesetze in Österreich an. Laut Prammer soll es in einem ersten Schritt Gleichbehandlungs-Anwältinnen in den Bundesländern geben. In einem zweiten Schritt soll das Gleichbehandlungsgesetz so geändert werden, "daß" - so Prammer in News - "Frauen, die sexuelle Belästigungen anzeigen, automatisch Kündigungsschutz haben und nicht mehr die Beweislast tragen müssen - das heißt, man soll einer sexuell belästigten Frau nicht auch noch aufbürden, detaillierte Beweise ihrer Belästigung bringen zu müssen, sondern es muß künftig bewiesen werden, daß sie nicht belästigt wurde."

Laut News gab es bei der Gleichbehandlungs-Anwältin in den letzten fünf Jahren 346 Beschwerden von sexueller Belästigung. In einer neuen Studie gaben 81 Prozent aller Frauen an, bereits einmal sexuell belästigt worden zu sein.

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