ORF-Generalintendant Gerhard Zeiler antwortet auf die Resolution der Fernsehredakteure

An die Redakteursversammlung der FI 1

Wien (OTS) - In der Anlage übermittle ich Ihnen meine Antwort auf den von Ihnen zitierten Kommentar der "Kronen-Zeitung". Ich bedauere, daß ich aufgrund meiner Abwesenheit von Wien nicht unmittelbar, sondern erst mit einigen Stunden Verspätung zu reagieren in der Lage bin.

Selbstverständlich können Sie auch in Zukunft mit der uneingeschränkten Unterstützung und Rückendeckung der ORF-Geschäftsführung rechnen, wenn Sie Ihre im Rundfunkgesetz und Programmrichtlinien definierte Arbeit machen. Daß ich auch kritische, kontroversielle Interviews nach dem Grundsatz "hart in der Sache -höflich im Ton" ohne Einschränkungen befürworte, ahbe ich schon mehrfach Ihnen und auch der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Brief des ORF-Generalintendanten an Chefredakteur Hans Dichand:

Sehr geehrter Herr Chefredakteur!

In der "Kronen-Zeitung" vom 3. März 1997 sind in einem Kommentar unter dem Titel "Der Fall Broukal" Pauschalurteile und diffamierende Bewertungen von ORF-Journalisten abgedruckt, die ich in meiner Funktion als Generalintendant nicht akzeptieren kann und daher entschieden zurückweisen muß. Bei aller Kritik, der wir uns als öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt auch dann zu stehen haben, wenn sie unangenehm ist, glaube ich doch, daß in diesem Fall die Kritik weit über das Ziel schießt.

Fehlleistungen passieren in jedem Unternehmen, auch im ORF. Entscheidend in einer derartigen Situation ist, daß man die Fehler erkennt und daraus Konsequenzen zieht. Das geschieht im ORF. Gerade deswegen sind die in diesem Kommentar verwendeten negativen Bewertungen auch nicht zutreffend. Im übrigen liegt nach meiner festen Überzeugung der öffentlich-rechtliche Auftrag des ORF keineswegs "in den letzten Zügen", sondern er ist Unternehmenszweck. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Gerhard Zeiler

Nachtrag: ORF-Fernsehredakteure wehren sich gegen "Krone"-Angriff

Utl.: Resolution der Redakteursversammlung vom 3.3.97 =

Wien (OTS) - Die Redakteursversammlung der ORF-Fernsehinformation (FI 1) hat zu den Angriffen in einem Kommentar der heutigen Neuen Kronenzeitung einstimmig folgende Resolution beschlossen:

Die ORF-Fernsehredakteure weisen die Angriffe und Unterstellungen in einem Kommentar der heutigen Kronenzeitung zurück. ORF-Journalisten als "Unterläufel und Lemuren" zu bezeichnen, mit "denen man nur mit abgewandten Gesicht verkehrt", hat nichts mehr mit Kritik zu tun. Dieser diffamierende Grundton ist inakzeptabel und anmaßend.

Die Fernsehjournalisten des ORF werden sich auch künftig durch Interventionen von außen nicht von harten und insistierenden Fragen abhalten lassen. Bei ihrer im Rundfunkgesetz und den Programmrichtlinien definierten Tätigkeit erwarten die Redakteure die volle Unterstützung der ORF-Geschäftsführung.

Außerdem gehen die Redakteure der FI 1 davon aus, daß die Geschäftsführung, die mit der unverhältnismäßigen Sanktion im Fall Broukal sehr rasch reagiert hat, das Unternehmen umgehend gegen Angriffen von außen verteidigt. Vor allem dann, wennn die Angriffe mit dem Wunsch verbunden sind, daß der öffentlich-rechtliche ORF "hoffentlich in den letzten Zügen" liegt.

Rückfragen & Kontakt:

Redakteurssprecher FI 1
Nobert Gollinger, Stefan Jung

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