AK: Entgeldauswirkungen der Arbeitszeitflexibilisierung nicht berechenbar

"Zehn Milliarden" Zuschlagskürzung konnten abgewendet werden

Wien (OTS) - Die finanziellen Auswirkungen der Flexibilisierung
der Arbeitszeit können nach Ansicht der AK-Sozialexperten derzeit nicht berechnet werden. Zu den durch manche Medien und Aussendungen geisternden "Zehn Milliarden", die die AK angeblich berechnet habe, erklärt AK-Sozialexperte Josef Wöss, daß disese Zahl nicht auf einer Durchrechnung des nun vereinbarten Modells, sondern der Arbeitgeber-Wünsche vom Vorjahr beruhten. In den seit damals geführten Verhandlungen konnte eine für die Arbeitnehmer erheblich günstigere Regelung ausverhandelt werden.

Tatsächlich haben vor einem Jahr die AK Experten berechnet, welche Folgen die Erfüllung der damaligen Arbeitgeber-Wünsche auf die Einkommen haben könnte.

Unter der Annahme, daß es - wie damals von Arbeitgeberseite gewünscht - keine Bindung der Flexibilisierung an Kollektivverträge geben würde und die Arbeitgeber daraufhin ohne Gegenleistung in allen Branchen eine Ausdehnung der Normalarbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche und auf zehn Stunden pro Tag durchsetzen würden, wurde geschätzt, daß die Einkommen in Summe um 10 Milliarden sinken würden.

Die langen Verhandlungen über das neue Arbeitszeitrecht wurden vom ÖGB geführt, um genau das zu verhindern - und letztlich waren diese Verhandlungen auch erfolgreich, es konnte eine auch aus Arbeitnehmersicht sinnvolle Lösung gefunden werden.

+ Die Flexibilisierung ist an die Kollektivverträge - und damit an die Zustimmung der Arbeitnehmervertretung - gebunden. Damit ist gewährleistet, daß es bei konkreten Flexibilisierungsvereinbarungen zu einem fairen Interessensausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kommt. Welche Varianten in den verschiedenen Branchen vereinbart werden kann jetzt noch nicht abgesehen werden, die Auswirkungen auf Engelte lassen sich daher seriös nicht darstellen.

+ Eine tägliche Normalarbeitszeit von zehn Stunden ist nicht generell (wie damals von Arbeitgebern gewünscht), sondern nur in besonderen Fällen, zum Beispiel bei einer 4-Tage-Woche möglich.

+ Bei einem flexiblen Jahreszeitmodell kann die Normalarbeitszeit ausgedehnt werden, wenn den Beschäftigten ein attraktiver und zeitlich geblockter Zeitausgleich eingeräumt wird. Ob von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht wird, ist noch nicht absehbar.

(Siehe auch OTS0156 vom 19.02.1996)

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