ÖAR: ARGUMENTE GEGEN VERSICHERUNGSPFLICHT

Der Körper ist keine Blechkarosserie

Wien (OTS) - In der Debatte um eine - äußerst notwendige -verpflichtende Freizeit-Unfallversicherung sind immer wieder zwei Varianten in Diskussion: die Pflicht-Versicherung und die Versicherungspflicht. Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, Dachorganisation der Behindertenverbände, wendet sich strikt gegen eine Versicherung, die am freien Markt geregelt werden soll. ÖAR-Präsident Dr. Klaus Voget: "Am Körper kann kein Sachschaden entstehen, über dessen Wert Monate gestritten werden kann. Der menschliche Körper ist keine Blechkarosserie."

Zwischen "Versicherungspflicht" und "Pflichtversicherung" besteht ein grundlegender Unterschied. Die Versicherungspflicht soll ähnlich funktionieren wie die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung für Autos: Freie Wahl der Versicherungsanstalt am Markt und Regulierung durch Angebot und Nachfrage. Die Pflichtversicherung soll dagegen einen einzigen Sozialversicherungsträger mit klar definierten Regelungen haben, nach der alle Personen ident versichert sind und dementsprechend Anspruch auf Leistungen haben.

Nach Meinung der ÖAR ist es der falsche Weg, eine Pflicht-Freizeit-Unfallversicherung über den freien Markt regeln zu wollen. Eine ganze Reihe von Argumenten spricht dagegen:

Bereits jetzt sind von freiwilligen privaten Unfallversicherungen etwa Menschen mit psychischen oder geistigen Behinderungen vielfach ausgenommen. Es ist zu erwarten, daß sich Prämienhöhen nicht nur am tatsächlich gelebten Risiko, sondern auch nach bereits bestehenden Behinderungen richten werden. Wünschenswert wäre jedoch eine Prämie, die sich am Einkommen orientiert.

Wann immer bei einer marktorientierten Versicherung, egal welcher Art, ein Schadensfall gemeldet wird, muß begutachtet und geprüft werden, ob tatsächlich ein Leistungsanspruch besteht. Es kann jedoch nicht sein, daß eine Person nach einem Unfall mit womöglich schweren Folgeschäden keine Leistungen erhält, bevor nicht der Leistungsanspruch nach monate- oder jahrelangem Rechtsstreit geklärt ist.

Der freie Markt hieße auch, daß es bei Leistungsangeboten Unterschiede geben wird. Ein Mehr an Leistung bewirkt folgerichtig höhere Prämien. Menschen aus einkommensschwachen Schichten werden sich zwangsläufig möglichst "günstig" versichern. Die Folge ist, daß es auch im Fall einer notwendigen Rehabilitation wiederum zu Ungleichbehandlungen kommt.

Voget abschließend: "Wir sollten längst darüber hinweg sein, Sozial-Darwinismus betreiben zu wollen und das alleinige Überlebensrecht des Stärkeren zu propagieren. Das Solidaritätsprinzip und die Gleichwertigkeit aller Menschen lassen keine andere Lösung zu als die gesetzliche Pflichtversicherung."

Rückfragen: ÖAR
Birgit Primig-Eisner
513 15 33-116

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