Improvisation im Vergnügungsviertel

Wien (OTS) - Kikugawa Eizan: Improvisation im Vergnügungsviertel
4. März bis 13. April 1997 - MAK-Kunstblätterraum Pressegespräch: 4. März 1997, 10.30 Uhr

Die Sammlung japanischer Holzschnitte im MAK umfaßt an die 3000 Blätter und gehört somit zu den größeren europäischen Sammlungen auf diesem Gebiet. Die Entstehungsgeschichte reicht zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Farbdrucke nach Europa kamen. Gerade dieser ersten Sammelperiode entstammen die meisten Blätter Kikugawa Eizans, der in späterer Zeit jedoch in Europa an Wertschätzung verloren hat.

Kikugawa Eizan wurde im Jahre 1787 in Edo als Sohn von Kikugawa Eiji, einem Kunstblumenhändler, geboren. Sein offizieller Name war Toshinobu, er signierte aber stets mit seinem Künstlernamen Eizan. Malerei studierte er bei seinem Vater, der seinerseits bei einem Meister namens Tosha lernte, aber auch bei Suzuki Nanrei (1775 -1844), einem Maler der Shijo-Schule. Wann genau Eizan seine Karriere als Ukiyo-e-Künstler begann, ist nicht bekannt, die ersten sicher datierbaren Blätter tragen den Datumsstempel von 1806.

Um 1806 - 1807 kündigte ein Fächer-Großhändler dem bekannten Maler Utagawa Toyokuni (1769 - 1825) - einem der großen Ukiyo-e Künstler dieser Zeit - den Vertrag und bestellte bei Eizan Fächerbilder von Schauspielern für ein ganzes Jahr. Als später auch Utagawa Kunisada (1786 - 1865) begann, Fächerbilder zu entwerfen, widmete er sich hauptsächlich dem Genre der "Schönen Frau". Eizan sah sich als der künstlerische Nachfolger von Kitagawa Utamaro (1750 - 1806) der bis dahin diese Thematik beherrschte. In einigen seiner Werke bis um 1812 kann man stilistische Spuren, ja sogar motivische Übernahmen von Utamaro feststellen. In der Sammlung des MAK gibt es sogar ein Blatt Eizans, welches auf einen Andruck eines Utamaro-Holzschnittes gedruckt wurde.

Nach dem Tode Utamaros gab es für Eizan keine Konkurrenz auf dem Gebiet der "Schönen Frauen" mehr; seine Popularität stieg rasch an, "selbst bis in die entlegensten Provinzen".

In der Geschichte des Ukiyo-e gibt es keinen anderen Künstler, der das Wort "furyu" so oft als Titel eines Blattes oder einer Serie verwendete wie Eizan. "furyu" bedeutet Eleganz, Raffinesse, Qualität. All diese Begriffe charakterisieren Eizans Bild von der "Welt der Frauen". Hinter dieser Welt in den Vergnügungsvierteln der großen Städte verbarg sich jedoch die traurige Realität von Mädchenhandel und Prostitution. Genau diese Themen werden aber im Holzschnitt nur in Anspielungen gestreift, abgesehen von den meist unsignierten shunga (= Frühlingsbilder, d.i. erotische Malerei).

In den Jahren von 1810 bis 1812 erreichte der erst 22 bis 25jährige Eizan seinen künstlerischen Höhepunkt. In den Drucken dieser Zeit ist eine feine Farbnuancierung zu beobachten, er schuf sogar einen eigenen Frauentyp, für den die Bezeichnung "eizan-gao", d.h. "Eizan-Gesicht", im Gebrauch war. Um die offenbar gesteigerte Nachfrage nach seinen Blättern zu befriedigen entstanden in den Jahren von 1810 - 1815 zahlreiche Serien von höchster Qualität aber auch großformatige Farbholzschnitte, die aus drei oder sogar fünf Blättern zusammengefügt wurden. Der Großteil seiner Arbeiten entstand in dieser Zeitspanne.

Nach 1820 widmete sich Eizan vor allem der Ukiyo-e-Malerei, die künstlerisch höher geschätzt worden ist; meist waren diese Seidenmalereien Bestellungen aus höheren Kreisen, wodurch der Künstler dem "Druck des Marktes" nicht mehr nachgeben mußte.

Kikugawa Eizans Verdienst in der Entwicklung des Ukiyo-e liegt darin, daß er von Suzuki Harunobu (1725 -1770) und Kitagawa Utamaro begonnene Entwicklungen im formalen Aufbau und in der Thematik des Holzschnittes übernahm, jedoch von althergebrachten Regeln befreite und so die Spätphase des Ukiyo-e einleitete.

Formal steht Eizan zwischen dem vornehmen Stil Utamaros und dem bewegteren von Künstlern wie Keisai Eisen (1790 - 1848), Kunisada und anderer was nur zu oft eine Verkennung seiner Bedeutung zur Folge hatte und hat. Mit Kikugawa Eizan beginnt das Museum eine Reihe von alljährlichen Ukiyo-e-Ausstellungen, die diese Spätzeit des japanischen Farbholzschnittes zum Thema haben werden.

Ausstellung Kikugawa Eizan: Improvisation im Vergnügungsviertel

Ausstellungsort MAK-Kunstblätterraum

Ausstellungsdauer 4. März bis 13. April 1997

Pressegespräch 4. März 1997, 10.30 Uhr

MAK-Kurator Johannes Wieninger

Öffnungszeiten 30.03. Ostersonntag (10.00 bis 18.00 Uhr) Feiertage 31.03. Ostermontag (10.00 bis 18.00 Uhr)
Di - So (10.00 bis 18.00 Uhr), Do (10.00 bis 21.00 Uhr)
Mo geschlossen

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