Gewerbeverein: Replik zu Sallmutters-Märchenbuch-Aussendung

Wien (OTS) - Es stimmt bedenklich, wenn "langjährige Tradition der österreichischen Lohn- und Einkommenspolitik" künftiges Kriterium für Lohnrunden ist.

Zweifelsohne hat Sallmutter recht, daß Produktivität eine Rolle bei der Lohnfestsetzung spielt. Es gibt verschiedene Arten von Produktivität: solche durch Arbeitsverdichtung, solche durch Einsatz von Kapital und solche aus anderen Motiven heraus.

+ Sallmutter übersieht - oder will dies so - daß, in Österreich etwa die Lohnerhöhungen 1986, 1987 und 1991 markant über die Produktivitätssteigerungen hinausschossen.

+ Daß bereits 1993 Univ. Prof. Dr. Werner Clement vom Industriewissenschaftlichen Institut als Schwachstellen der österreichischen Lohnpolitik folgende Faktoren identifizierte:

++ Die Lohn-Preis-Schere ist im internationalen Vergleich zu hoch, ++ Die Schere zwischen Produktivität und Löhnen ist in Österreich höher als in den meisten OECD Staaten.

++ Die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert sich durch steigende Lohnstückkosten,

++ die Orientierung an informellen Entscheidungsgrundlagen führt zu falschen Lohnabschlüssen,

++ der ÖGB stützt sich bei Lohnverhandlungen auf vergangenheitsbezogene Daten und schließlich,

++ daß zentralistische Strukturen bei Lohnverhandlungen zu geringer Flexibilität und Betriebsnähe führen.

+ Tatsache ist, daß Löhne, Preise und Produktivität seit 1987 auseinanderdriften. Der Grund liegt eben darin, daß sich Lohnverhandlungen zu stark an VPI-Prognosen orientieren, die dann nicht eintreffen.

GPA-Vorsitzender Sallmutter möge daher seine vollmundigen Aussagen dämpfen; schließlich orientiert sich der ÖGV nicht an seinem Märchenbuch, sondern an fundierten wissenschaftlichen Aussagen.

Wer "langjährige Tradition der österreichischen Lohn- und Einkommenspolitik" zum Entscheidungskriterium macht, befindet sich eher im Märchenbuchbereich als der Österreichische Gewerbeverein, der seine Aussagen auf profunden wissenschaftlichen Analysen aufbaut.

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