- 18.06.2013, 13:00:53
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Österreichs Zementindustrie hält flauer Konjunktur stand Jahresbilanz 2012 und Prognose 2013

Wien (OTS) - Die österreichische Zementindustrie konnte sich im Jahr
2012, trotz flauer Konjunktur und schwieriger Rahmenbedingungen,
behaupten. Der Zementabsatz 2012 konnte auf dem Niveau von 2011
gehalten werden, beim Jahresumsatz 2012 musste aber ein Rückgang um
fast fünf Prozent verzeichnet werden. Mit neuen und innovativen
Technologien arbeitet die Vereinigung der Österreichischen
Zementindustrie (VÖZ) laufend an einer breiteren Einsatzmöglichkeit
für Zement sowie an einem tragfähigen Fundament für eine
zukunftsorientierte österreichische Bauwirtschaft mit. Zugleich
fordert die VÖZ nachhaltig verbesserte Rahmenbedingungen für eine
erfolgreiche Positionierung der österreichischen Zementindustrie im
heimischen und internationalen Baugeschehen und faire Bedingungen im
internationalen Wettbewerb.
Das Wirtschaftswachstums (reales BIP) Österreichs hat gegenüber
2011 um nur 0,8 Prozent zugenommen. Die neun österreichischen
Zementbetriebe konnten 2012 ein Umsatzvolumen von 375 Mio. Euro
erwirtschaften, für 2013 wird ein leichter Anstieg erhofft. Lag das
erste Quartal 2013 der Zementindustrie bei minus fünf Prozent
gegenüber dem Vorjahr, verlangsamte sich der Rückgang im Mai auf
knapp unter drei Prozent. 2012 wurden insgesamt 4,46 Mio. Tonnen
Zement produziert - eine leichte Steigerung zu 2011 (4,43 Mio.
Tonnen). Der Rückgang des Umsatzes um 4,7 Prozent zum Vorjahr weist
auf eine sinkende Preisentwicklung hin. Damit ist es der
österreichischen Zementindustrie gelungen, trotz schwieriger
Rahmenbedingungen durch Kostenbelastungen wie
Altlastensanierungsgesetz, Ökostromkosten und Energiekosten, eine
relativ stabile Position am heimischen Markt zu halten.
Hochbau vor Tiefbau, aber zu wenig Wohnungsneubau
Der Tiefbau erzielte ein Wachstum auf niedrigem Niveau. Im
hochrangigen Straßenbau gibt es einen Investitionsrückstau, der von
der positiven Entwicklung in anderen Bereichen nicht kompensiert
werden konnte. Der Hochbau liegt mit seinem Zuwachs deutlich darüber.
"Das Wachstum der österreichischen Bauwirtschaft um sechs Prozent war
2012 von der Länge der Bausaison, der leicht positiven Entwicklung im
Hochbau und dem Sanierungsbereich getragen", erklärt Mag. Rudolf
Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Österreichischen
Zementindustrie. Die jüngsten Prognosen für 2013 sind verhalten, bei
einer Zunahme der Bauinvestitionen von nur 0,6 Prozent. "Wir sind
vorsichtig optimistisch", so Zrost "denn der Wohnbau muss weiter
angekurbelt werden, um vor allem in den Städten Wohnungsnot zu
vermeiden." 2012 erreichte die Bewilligungsrate 37.654 Wohnungen
(Statistik Austria). Damit wurden um 4.555 Wohnungen weniger gebaut
als 2011. Um den Bedarf zu erfüllen, müssten um 10.000 Wohnungen pro
Jahr mehr gebaut werden.
Mit innovativem Denken in die Zukunft
"Die österreichische Zementindustrie bietet als kongenialer
Partner intelligente Hightech-Produkte und innovative Lösungen",
erklärt VÖZ-Geschäftsführer DI Felix Friembichler. Mit der Forcierung
neuer Technologien und der Entwicklung von kundenorientierten
Speziallösungen setzt die österreichische Zementindustrie
wirkungsvolle Schritte. Mit der 2013 erfolgten Gründung der Smart
Minerals GmbH, als Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft, ist
der Technischen Universität (TU) Wien und der Österreichischen
Zementindustrie ein Meilenstein für künftige Innovationen im Bauwesen
gelungen.
Investment mit Partnern über Zement und Beton hinaus
Neue Ergebnisse gibt es von den Simulationsräumen "Heizen und
Kühlen mit Beton", die in Salzburg zu Forschungszwecken errichtet
wurden. Friembichler: "Das Projekt ist ein großes Investment zur
Nutzung des Energiespeichers Beton für neue Baukonzepte. Es wurde mit
Partnern initiiert und mitfinanziert und geht längst weit über den
Baustoff Zement oder Beton hinaus." Um Beton als Energiespeicher zu
nützen wurden beim Simulationsraum Decken und Bodenplatten mit Wärme
oder Kühle "aktiviert". Dazu werden in Bauteile Rohre verlegt, durch
die warmes oder kaltes Wasser geleitet wird. Friembichler: "Wenn wir
es schaffen Decken wie Heizkörper oder zur Kühlung der Räume
einzusetzen, dann ist uns ein Riesenschritt in dieser neuen
Technologie gelungen." Die Kombination mit Solar- oder
Photovoltaikanlagen führt zu Gebäuden, die mehrere Wochen ohne
Fremdenergieeintrag auskommen können.
Zementindustrie fordert bessere Rahmenbedingungen
"Für unsere Industrie ist es notwendig, die legistischen
Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Produktion und Vermarktung
des österreichischen Zements zu schaffen", so Zrost. "Konkrete
Forderung der Zementindustrie ist die Reduktion der Summe der
Kostenbelastungen. Allein 2012 mussten
Altlastensanierungsgesetz-Beiträge von 2,4 Mio. Euro aufgebracht
werden." Dazu kamen 2,5 Mio. Euro Ökostromkosten und 1,1 Mio. Euro an
weiteren Energiesteuern. "Die Kostenbelastung für die Zementindustrie
macht aktuell schon mehr als fünf Prozent des Nettoproduktionswertes
aus", moniert Zrost. "Das im Moment trotz Rückstellung zur Diskussion
stehende Energieeffizienzgesetz wird weitere Belastungen mit sich
bringen." Die deutsche Zementindustrie hat im Vergleich nicht einmal
die Hälfte dieser Belastungen zu tragen. Zrost fordert eine
europäische Harmonisierung der Wirtschafts-, Energie- und
Steuerpolitik für faire Wettbewerbsbedingungen.
Alleingang Klimaschutz gefährdet Europas Industrie
Im April 2013 hat das Plenum des Europäischen Parlaments den
Kommissionsentwurf zur Verschärfung der Emissionshandelsrichtlinie
(ETS-RL) mehrheitlich abgelehnt. Die neuerliche Diskussion über
künstliche Verknappung von Emissionszertifikaten ist unverständlich.
Zrost: "Wir wehren uns dagegen, die Spielregeln in der bereits
laufenden Handelsperiode zu verändern, das ist inakzeptabel.
Unternehmen brauchen Rechtssicherheit und stabile Rahmenbedingungen
um Investitionen zu planen und durchzuführen." Eine Preiserhöhung
bringe keine Verbesserung des Klimaschutzes. Immerhin würden vom
CO2-Handel erfasste Unternehmen Emissionen um 21 Prozent bis 2020
gegenüber 2005 reduzieren, alle anderen Bereiche verfolgen nur 10
Prozent. "Außerordentliche und einseitige Belastungen der Industrie
zu vermeiden, muss vor allem auch im Interesse Österreichs liegen,
denn die österreichischen Zementwerke gehören bereits jetzt zu den
CO2-effizientesten der Welt", so Zrost. "Durch die Kosten des
Energie- und Klimapaketes geraten Österreich und Europa als
Industrie- und Beschäftigungsstandort zunehmend ins Hintertreffen,
während andere Regionen konkurrenzfähiger werden. Darüber hinaus ist
die europäische Industrie durch extrem hohe Energiekosten
überdurchschnittlich belastet."
Wie bei der Klimaschutzkonferenz in Doha hervorgehoben, ist
Klimaschutz eine globale Aufgabe. Obwohl sich die großen Emittenten
wie USA, Kanada und Russland ihrer Verpflichtung entziehen, wird im
Grünbuch der EU-Kommission bis 2030 eine einseitige
Emissionsminderung um 40 Prozent angepeilt. Zrost: "Erfahrungen
werden nicht eingebaut und Vereinbarungen nicht gehalten, das ist
unverständlich. Während die USA alles unternimmt um die Industrie
zurückzubringen, trifft die EU Entscheidungen um diese vom Kontinent
zu vertreiben." Selbst die Zuteilung der Zertifikate für 2013 steht
noch immer aus. "Wir warten seit Februar", kritisiert Zrost.
Die Zukunft: Forschung & Entwicklung am Beispiel SCR
Die 2009 vereinbarte, freiwillige Verpflichtung der
Zementindustrie sieht ein Forschungsprojekt zur Einführung der
Kat-Technologie und eine deutliche schrittweise Absenkung der NOx -
Emissionen unter den gesetzlichen Wert von 500 Milligramm pro
Normkubikmeter (mg/Nm3) vor. Friembichler: "Die Zementindustrie
konnte die freiwillig vereinbarten NOx-Werte 2012 um 14 Prozent
unterschreiten." Dazu installierte die Zementindustrie das
Forschungsprojekt "Selektive katalytische Reduktion", kurz SCR. 2012
ging im Lafarge-Werk Mannersdorf eine großtechnische SCR-Anlage mit
Investitionsvolumen von 12 Mio. Euro und internationaler
Vorreiterrolle in Betrieb. Friembichler: "Für die SCR-Anlage wurde
eine neue Technologie entwickelt, von der wir uns langfristig eine
Reduktion der NOx-Emissionen um mehr als 50 Prozent erhoffen."
Ersatz von Wohnbauten anstatt Sanierung
Ein Teil des österreichischen, vor allem städtischen,
Wohnungsbestands weist substantielle Defizite auf. Analysen zeigen,
dass der Bestandsersatz oft eine sinnvollere Form als die
Bestandssanierung darstellt. Als Entscheidungsgrundlage dienen
Wirtschaftlichkeit, baurechtliche sowie bauphysikalische,
baukonstruktive und energetische Aspekte. Zrost: "Ersatzbauten
anstatt Sanierung bringen eine bessere Flächennutzung, mehr
Freiflächen für die Bewohner, bessere Energieeffizienz und damit
einen höheren Standard." Unter Beibehaltung vorhandener Grünflächen
könne damit auch die Verdichtung in den Städten forciert werden. "Ein
zusätzlicher Vorteil ist die Nutzung vorhandener Infrastruktur."
Eines der ersten Beispiele für einen Ersatzbau ist das Areal am
Harter Plateau in Linz. Vor zehn Jahren wurden zwei
sanierungsbedürftige Wohnkolosse aus den 1970er Jahren durch Häuser
nach modernem Standard ersetzt. Ein Wiener Paradebeispiel ist der im
Juni 2013 eröffnete Gebäudekomplex "art & garden". Büro- und
Hoteltrakt des 1960er Jahre Baus wurden revitalisiert, während der
Wohnbau neu errichtet wurde. Beim brandaktuellen Salzburger Projekt
Strubergassensiedlung im Stadtteil Lehen, wird ein Teil der Gebäude
(Baujahr 1950-1965) ab September 2013 durch Neubauten ersetzt, der
andere Anteil saniert. Ein schlechter baulicher Standard, unpassende
Grundrisse und Wohnungsgrößen sowie die Möglichkeit einer sanften,
städtischen Nachverdichtung waren die Hauptgründe für Ersatzbauten.
Förderung der Ausbildung innovativer Architektur und Teamwork
Mit dem jährlichen StudentInnenpreis "Concrete Student Trophy"
investiert die VÖZ in die Förderung moderner, ästhetischer Baukunst
und das Teamwork von ArchitektInnen und PlanerInnen anhand
praxisnaher Beispiele. Aufgabenstellung 2013: Für das Projekt
"Brandstatt" im Raum Scheibbs an der Erlauf wird ein Kraftwerk für
BürgerInnen gesucht. Als Novität wurde kürzlich, gemeinsam mit der MA
45 der Stadt Wien, der Concrete Design Award "Barbecue Edition 25"
ausgeschrieben. ArchitekturstudentInnen entwickelten für die
Donauinsel neue Barbecue-Möbel aus Beton. Bereits 2014 werden die
BesucherInnen die neuen Betonmöbel nutzen können.
Grafikdownload:
http://www.ots.at/redirect/baidinger1
Weitere Infos unter www.zement.at
Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/4279
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