OTS0125   11. Mai 2012, 11:15

Wien Energie investiert in ökologische Revitalisierung beim Wasserkraftwerk Opponitz an der Ybbs

Nachhaltige und umweltfreundliche Stromproduktion für 25.000 Haushalte auf Jahrzehnte gesichert - ökonomische und ökologische Verbesserungen gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie


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BILD zu OTS - Im Bild v.l.n.r.: Ing. Leopold Hofbauer (Bürgermeister Opponitz), Dipl.-Ing. Dr. Susanna Zapreva (Geschäftsführerin Wien Energie), Univ. Prof. Dr. Mathias Jungwirth (Universität für Bodenkultur (BOKU Wien))


Opponitz (OTS) - Das Wasserkraftwerk Opponitz, das seit fast 90 Jahren über 25.000 Haushalte mit Strom aus Wasserkraft versorgt, wird in den nächsten Jahren von Wien Energie nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten modernisiert. Das wurde heute im Rahmen einer Informationsveranstaltung von Österreichs führendem Energiedienstleister und Betreiber Wien Energie gemeinsam mit Experten des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur (BOKU Wien) bekanntgegeben. Neben der Errichtung einer Fischaufstiegshilfe wird die Wehranlage in Göstling erneuert und damit die Restwassermenge in der Ybbs nachhaltig erhöht sowie der Hochwasserschutz verbessert. Die Investitionssumme beträgt rund 30 Millionen Euro. Der Baubeginn für die Wehranlage ist im Frühjahr 2013 nach dem Ende der Schneeschmelze geplant. Für den teilweisen Neubau des Druckstollens beginnen in Kürze die dafür notwendigen Probebohrungen. Die Fertigstellung des neuen Druckstollens in Opponitz, der auch die Effizienz der Stromerzeugung erhöht, ist frühestens 2017 geplant. Die notwendigen Behördenverfahren laufen und sind zum Teil bereits positiv abgeschlossen.

DI Dr. Susanna Zapreva, Geschäftsführerin Wien Energie: "Bis 2030 planen wir einen Anteil von 50 Prozent an erneuerbarer Quellen in unserer Energieerzeugung. Deshalb setzen wir in der Umstellung unseres Erzeugungsmix auch konsequent auf Wasserkraft als Ergänzung der ökologischen Strom- und Wärmeproduktion mit Kraft-Wärme-Kopplung, Biomasse, Windkraft, Fotovoltaik und Geothermie. Mit der ökologischen Revitalisierung des Wasserkraftwerks Opponitz realisieren wir ein bedeutendes Projekt auf unserem Weg in eine nachhaltige Energiezukunft."

Experten des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur (BOKU Wien), die das Projekt wissenschaftlich begleiten, verweisen darauf, dass der Umbau sowohl ökonomisch als auch ökologisch klare Vorteile bringt. Univ.Prof. Dr. Mathias Jungwirth, Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur (BOKU Wien): "Ein Hauptaugenmerk - neben der Effizienzsteigerung der Anlage - liegt auf der ökologischen Verbesserung der Fischpassierbarkeit sowie auf der hydrobiologisch wichtigen Erhöhung der Restwassermenge in der Ybbs. Diese soll von derzeit 0,25 Kubikmeter pro Sekunde - das sind 250 Liter - auf künftig bis zu 2,2 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden. Damit verbleibt nach Fertigstellung der neuen Wehranlage in Göstling mindestens fünf Mal so viel Wasser in der Ybbs als heute." "Die ökologische Revitalisierung erfüllt damit auch sämtliche Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie", so Zapreva. Die EU-Rahmenrichtlinie, die in Österreich über den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) umgesetzt wird, zielt u.a. darauf ab, den Zustand von Fließgewässern und Wasser-Ökosystemen deutlich zu verbessern und die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren abzuschwächen.

Opponitz - Pioniergemeinde der Stromerzeugung für Wien und das Ybbstal

Der erste große Schritt, mit Wasserkraft Strom für Wien und das Ybbstal zu erzeugen, wurde bereits 1924 in Opponitz gesetzt. Über 34 Kilometer bahnt sich die Ybbs ihren Weg zwischen den in der Luftlinie nur etwa 11 Kilometer entfernten Orten Göstling und Opponitz. Zwei große Schleifen muss der Fluss in diesem Abschnitt ziehen, um sich im gebirgigen Voralpengebiet seinen Weg zur Donau zu bahnen. Mehr als 120 Meter Höhenunterschied liegen zwischen diesen beiden Orten.

Schon in den Anfangszeiten der Nutzung der Wasserkraft in Österreich wurden diese Gegebenheiten als optimal für die Errichtung eines Wasserkraftwerks erkannt. Anfang der 1920er Jahre schließlich von der WAG und später den damaligen "Städtischen Elektrizitätswerken Wien" in einem Großbauvorhaben in die Tat umgesetzt. Denn es war nicht das Kraftwerk allein, dass für die Nutzung von ferner Wasserkraft aus den Bergen zu errichten war: gleichzeitig musste auch die 110 kV Freileitung Opponitz - Gresten - Wien gebaut werden.

An die Planer und Bauausführenden wurden aufgrund des schwierigen Geländes große Anforderungen gestellt. Es galt, einen Großteil des Wassers der Ybbs über ein ausgeklügeltes Stollen- und Brückensystem nach Opponitz zu führen, ohne dabei zu viel an Höhe zu verlieren. In Göstling wird das Betriebswasser bei einer Wehranlage in den Stollen abgeleitet. Nach dem 3,7 Kilometer langen Königsberg-Stollen muss die Ybbs überquert werden. In einer Dükerleitung und im Bereich des Flusses weiter über eine Rohrbrücke mit 40 Meter Spannweite gelangt das Betriebswasser in den 4 Kilometer langen Frieslingsstollen. Weitergeführt in einem 645 Meter langen gedeckten Hangkanal bei Haselreith, einem 41 Meter langen Aquädukt zur Überwindung des Leithengrabens, kommt das Wasser schließlich in den 2,3 Kilometer langen Opponitzer Stollen, der direkt in das oberhalb des Kraftwerks gelegene Wasserschloss mündet.

Das Druckrohr selbst leitet das Wasser auf einer Länge von nur 238 Meter vom Wasserschloss in das 116,1 Meter tiefer gelegene Krafthaus: Gewaltige Kräfte treten auf. Kräfte, die über die drei Turbinen und die daran angeschlossenen Generatoren in elektrische Energie umgewandelt werden. Genug Energie, damit es sich lohnt, den Strom nach Wien zu leiten und auch um den gesamten Bereich des oberen Ybbstales damit zu versorgen.

Optimierte Leistung in historischem Gewand

70 Jahre lang versah das Kraftwerk in seiner Originalausstattung wertvolle Dienste. Im Laufe der Jahre wurde jedoch die Liste der in absehbarer Zeit zu behebenden Mängel derart lang, dass man sich bei Wien Energie Mitte der 1990er Jahren zu einer kompletten technischen Umrüstung entschloss. Damals wurden bereits die Verteilrohrleitung, die Turbinen und die Generatoren erneuert. Was vom alten Krafthaus blieb, war das in der Zwischenzeit denkmalgeschützte Gebäude. Das durchschnittliche jährliche Regelarbeitsvermögen stieg von früher 56.400 MWh auf gegenwärtig 62.370 MWh.

Zahlen und Daten zur ökologischen und ökonomischen Revitalisierung

- Investvolumen: rund 30 Millionen Euro - Ausbaudurchfluss QA: von 10 auf 12,4 m3/s - Engpassleistung P: von 9,58 auf 12,503 MW - Bruttofallhöhe: von 115,18 auf 118,62 m - Regelarbeitsvermögen: von 62,37 auf 65,328 GWh - Restwassermenge in der Ybbs: von 0,25 auf max. 2,2 m3/s

Weiteres Bildmaterial finden Sie unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2969

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111115 Mai 12 WSP0001 0931



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