Wien Energie investiert in ökologische Revitalisierung beim Wasserkraftwerk Opponitz an der Ybbs
Nachhaltige und umweltfreundliche Stromproduktion für 25.000 Haushalte auf Jahrzehnte gesichert - ökonomische und ökologische Verbesserungen gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie
Opponitz (OTS) - Das Wasserkraftwerk Opponitz, das seit fast 90
Jahren über 25.000 Haushalte mit Strom aus Wasserkraft versorgt, wird
in den nächsten Jahren von Wien Energie nach ökologischen und
ökonomischen Gesichtspunkten modernisiert. Das wurde heute im Rahmen
einer Informationsveranstaltung von Österreichs führendem
Energiedienstleister und Betreiber Wien Energie gemeinsam mit
Experten des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement der
Universität für Bodenkultur (BOKU Wien) bekanntgegeben.
Neben der Errichtung einer Fischaufstiegshilfe wird die Wehranlage in
Göstling erneuert und damit die Restwassermenge in der Ybbs
nachhaltig erhöht sowie der Hochwasserschutz verbessert. Die
Investitionssumme beträgt rund 30 Millionen Euro. Der Baubeginn für
die Wehranlage ist im Frühjahr 2013 nach dem Ende der Schneeschmelze
geplant. Für den teilweisen Neubau des Druckstollens beginnen in
Kürze die dafür notwendigen Probebohrungen. Die Fertigstellung des
neuen Druckstollens in Opponitz, der auch die Effizienz der
Stromerzeugung erhöht, ist frühestens 2017 geplant. Die notwendigen
Behördenverfahren laufen und sind zum Teil bereits positiv
abgeschlossen.
DI Dr. Susanna Zapreva, Geschäftsführerin Wien Energie: "Bis 2030
planen wir einen Anteil von 50 Prozent an erneuerbarer Quellen in
unserer Energieerzeugung. Deshalb setzen wir in der Umstellung
unseres Erzeugungsmix auch konsequent auf Wasserkraft als Ergänzung
der ökologischen Strom- und Wärmeproduktion mit Kraft-Wärme-Kopplung,
Biomasse, Windkraft, Fotovoltaik und Geothermie. Mit der ökologischen
Revitalisierung des Wasserkraftwerks Opponitz realisieren wir ein
bedeutendes Projekt auf unserem Weg in eine nachhaltige
Energiezukunft."
Experten des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement
der Universität für Bodenkultur (BOKU Wien), die das Projekt
wissenschaftlich begleiten, verweisen darauf, dass der Umbau sowohl
ökonomisch als auch ökologisch klare Vorteile bringt.
Univ.Prof. Dr. Mathias Jungwirth, Institut für Hydrobiologie und
Gewässermanagement der Universität für Bodenkultur (BOKU Wien): "Ein
Hauptaugenmerk - neben der Effizienzsteigerung der Anlage - liegt auf
der ökologischen Verbesserung der Fischpassierbarkeit sowie auf der
hydrobiologisch wichtigen Erhöhung der Restwassermenge in der Ybbs.
Diese soll von derzeit 0,25 Kubikmeter pro Sekunde - das sind 250
Liter - auf künftig bis zu 2,2 Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden.
Damit verbleibt nach Fertigstellung der neuen Wehranlage in Göstling
mindestens fünf Mal so viel Wasser in der Ybbs als heute."
"Die ökologische Revitalisierung erfüllt damit auch sämtliche
Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie", so Zapreva.
Die EU-Rahmenrichtlinie, die in Österreich über den Nationalen
Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) umgesetzt wird, zielt u.a. darauf
ab, den Zustand von Fließgewässern und Wasser-Ökosystemen deutlich zu
verbessern und die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren
abzuschwächen.
Opponitz - Pioniergemeinde der Stromerzeugung für Wien und das Ybbstal
Der erste große Schritt, mit Wasserkraft Strom für Wien und das
Ybbstal zu erzeugen, wurde bereits 1924 in Opponitz gesetzt. Über 34
Kilometer bahnt sich die Ybbs ihren Weg zwischen den in der Luftlinie
nur etwa 11 Kilometer entfernten Orten Göstling und Opponitz. Zwei
große Schleifen muss der Fluss in diesem Abschnitt ziehen, um sich im
gebirgigen Voralpengebiet seinen Weg zur Donau zu bahnen. Mehr als
120 Meter Höhenunterschied liegen zwischen diesen beiden Orten.
Schon in den Anfangszeiten der Nutzung der Wasserkraft in
Österreich wurden diese Gegebenheiten als optimal für die Errichtung
eines Wasserkraftwerks erkannt. Anfang der 1920er Jahre schließlich
von der WAG und später den damaligen "Städtischen Elektrizitätswerken
Wien" in einem Großbauvorhaben in die Tat umgesetzt. Denn es war
nicht das Kraftwerk allein, dass für die Nutzung von ferner
Wasserkraft aus den Bergen zu errichten war: gleichzeitig musste auch
die 110 kV Freileitung Opponitz - Gresten - Wien gebaut werden.
An die Planer und Bauausführenden wurden aufgrund des schwierigen
Geländes große Anforderungen gestellt. Es galt, einen Großteil des
Wassers der Ybbs über ein ausgeklügeltes Stollen- und Brückensystem
nach Opponitz zu führen, ohne dabei zu viel an Höhe zu verlieren.
In Göstling wird das Betriebswasser bei einer Wehranlage in den
Stollen abgeleitet. Nach dem 3,7 Kilometer langen Königsberg-Stollen
muss die Ybbs überquert werden. In einer Dükerleitung und im Bereich
des Flusses weiter über eine Rohrbrücke mit 40 Meter Spannweite
gelangt das Betriebswasser in den 4 Kilometer langen
Frieslingsstollen. Weitergeführt in einem 645 Meter langen gedeckten
Hangkanal bei Haselreith, einem 41 Meter langen Aquädukt zur
Überwindung des Leithengrabens, kommt das Wasser schließlich in den
2,3 Kilometer langen Opponitzer Stollen, der direkt in das oberhalb
des Kraftwerks gelegene Wasserschloss mündet.
Das Druckrohr selbst leitet das Wasser auf einer Länge von nur 238
Meter vom Wasserschloss in das 116,1 Meter tiefer gelegene Krafthaus:
Gewaltige Kräfte treten auf. Kräfte, die über die drei Turbinen und
die daran angeschlossenen Generatoren in elektrische Energie
umgewandelt werden. Genug Energie, damit es sich lohnt, den Strom
nach Wien zu leiten und auch um den gesamten Bereich des oberen
Ybbstales damit zu versorgen.
Optimierte Leistung in historischem Gewand
70 Jahre lang versah das Kraftwerk in seiner Originalausstattung
wertvolle Dienste. Im Laufe der Jahre wurde jedoch die Liste der in
absehbarer Zeit zu behebenden Mängel derart lang, dass man sich bei
Wien Energie Mitte der 1990er Jahren zu einer kompletten technischen
Umrüstung entschloss. Damals wurden bereits die Verteilrohrleitung,
die Turbinen und die Generatoren erneuert. Was vom alten Krafthaus
blieb, war das in der Zwischenzeit denkmalgeschützte Gebäude. Das
durchschnittliche jährliche Regelarbeitsvermögen stieg von früher
56.400 MWh auf gegenwärtig 62.370 MWh.
Zahlen und Daten zur ökologischen und ökonomischen Revitalisierung
- Investvolumen: rund 30 Millionen Euro
- Ausbaudurchfluss QA: von 10 auf 12,4 m3/s
- Engpassleistung P: von 9,58 auf 12,503 MW
- Bruttofallhöhe: von 115,18 auf 118,62 m
- Regelarbeitsvermögen: von 62,37 auf 65,328 GWh
- Restwassermenge in der Ybbs: von 0,25 auf max. 2,2 m3/s
Weiteres Bildmaterial finden Sie unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2969
Pressesprecher Wien Energie
Telefon 01 4004 38027
E-Mail: christian.ammer@wienenergie.at
















