- 27.04.2012, 12:54:51
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Experten sehen heimische Start-up-Landschaft im Umbruch
Wien "am aufstrebenden Ast" - traditionelle Unternehmen wollen von Innovationsschub profitieren - derzeit ist aber "einfach zu wenig Kohle da"

Wien (OTS) - Der Mangel an Kapital und ein soziales Umfeld, das
nicht gerade von Risikobereitschaft geprägt ist, machen den
österreichischen Start-ups das Leben schwer. Allerdings gibt es erste
Fortschritte und auch die etablierten Großunternehmen beginnen am
Innovationspotenzial der aufstrebenden Jungunternehmer Interesse zu
zeigen, gaben sich Experten gestern, Donnerstagabend, bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien überzeugt.
Neben den in Europa "herausragenden New-Economy-Zentren London,
Berlin und Dublin" sieht Andreas Tschas von der Initiative
STARTeurope, die potenzielle Gründer, Unternehmen und Investoren
vernetzen will, vor allem Amsterdam, Kopenhagen und Wien "am
aufstrebenden Ast". Es gebe gut ausgebildete Leute mit guten Ideen.
Außerdem nehme Wien als Brücke zwischen Ost und West eine sehr
wichtige Rolle ein und könnte sich als internationaler
Start-up-Hotspot etablieren.
Allerdings liege man beim Zugang zu Kapital zurück, "bis vor
kurzem gab es da praktisch nichts", spielte er auf den erst im
Vorjahr gegründeten Risikokapitalfonds Speedinvest an.
Ausschlaggebend für das Erreichen einer kritischen Masse sind laut
Tschas makroökonomische Faktoren wie Arbeitslosenrate oder eine
Kultur des Wandels, Faktoren à la Steuerniveau bzw.
Lebenshaltungskosten, politische Maßnahmen rund um Ausbildung und
Bürokratie sowie das Vorhandensein von "Pionieren". Dadurch würde das
Unternehmertum attraktiver. "Gerade in herausfordernden Zeiten wie
diesen braucht es Entrepreneure mehr als je zuvor", so Tschas.
Finanzierung bleibt Hauptproblem
"Gegenseitiges Gratulieren ist ja in Ordnung, aber jetzt müssen
wir weiter kommen", warf Oliver Holle von Speedinvest ein. In
Österreich sei noch lange keine kritische Masse bei der Finanzierung
von Start-ups im Web- bzw. mobilen Bereich erreicht, "es ist einfach
zu wenig Kohle da". Außerdem werde man auch bei einer Investition von
zehn Mio. Euro in fünf Firmen noch nicht wirklich wahrgenommen.
Insgesamt vertrage Österreich ein drei- bis viermal so hohes
Volumen, schließlich seien von 250 überprüften Projekten 30 als
interessant eingestuft worden. Er ortet aber eine grundsätzliche
Bereitschaft zum Investieren: "Wir haben im Rahmen des Fundraising in
knapp fünf Monaten rund 300 Gespräche geführt. Die Hälfte war
interessiert, was auf eine große Zahl an potenziellen Business Angels
schließen lässt. 32 haben letztendlich investiert."
Entscheidend für die Entwicklung in Österreich sei, dass man
"jedes Jahr drei, vier oder fünf erfolgreiche Exits schafft. Wenn
diese Unternehmer wieder in Start-ups investieren, kommt der
Kreislauf in Schwung. Dann folgen die Privatinvestoren und irgendwann
vielleicht auch die Banken", so Holle. Was sich ändern müsse sei,
dass man "Exit" in Österreich noch immer als "dreckiges Wort" sehe,
weil ein solcher, auch volkswirtschaftlich betrachtet, gut sei.
Auf ins Silicon Valley?
"Auch wir schämen uns nicht erfolgreich verkauft zu haben",
stimmte Alexander Igelsböck vom Start-up-Inkubator i5invest zu. Die
Standortfrage sieht er eher gelassen. Man könne in und auch aus
Österreich heraus international sehr erfolgreich sein - dies würden
hunderte Unternehmen jeden Tag beweisen. Den Trend, zum
Unternehmensgründen ins Ausland zu gehen, beurteilt Igelsböck
differenziert: "Wenn man zu Hause kein Netzwerk hat und kein Kapital
bekommt - trotz Heimvorteil - wieso sollte man dann beispielsweise im
Silicon Valley Erfolg haben?"
Die größte Hemmschwelle in Österreich sei im Moment die Angst vor
dem Scheitern. Dies gehöre aber dazu. Die wichtigsten Entscheidungen
bei der Gründung würden Mitgründer, Team und Mentoren betreffen, was
auch den Zugang zu Unterstützung und Kapital maßgeblich ermöglichen
bzw. vereinfachen könne. Für alteingesessene Firmen sei es schwierig
Innovationen im Internetbereich zu generieren. Hier könnten sich
Start-ups als Innovationstreiber beweisen.
Medien investieren in neue Bereiche
Ein offenes Ohr habe man diesbezüglich bei den Medien vorgefunden,
ergänzte Holle: "Die sind als erste aufgesprungen, weil sie wissen,
dass es nicht ewig so weitergehen wird, für die ist das
überlebenswichtig." Man habe sich lange zurückgehalten, "in exotische
Sachen abseits des Kerngeschäfts zu investieren. Aber es besteht
Handlungsbedarf, in neue Bereiche reinzugehen und Geld in die Hand zu
nehmen", bestätigte Christian Buchsteiner von der Styria Media Group,
die mit Speedinvest kooperiert.
Derzeit bestehe mehr Nachfrage, als Kapital am Markt sei. "Für uns
ist es eine spannende Zeit. Dramatische Veränderungen stehen an.
Heute braucht man Unternehmer, keine Verwalter", sagte Buchsteiner.
Ziel sei, Kooperationen mit Gründern einzugehen. "Wir möchten
gemeinsam mit Entrepreneuren spannende Ideen hochziehen, indem wir
die Assets unserer Gruppe in diese gemeinsamen Unternehmen und
Projekte einbringen", so der Manager.
Junge, unternehmerisch denkende Personen mit traditionellen Firmen
zusammenzubringen, berge große Chancen, pflichtete Jungunternehmer
Alexander Oswald bei. Allerdings fehle es noch an entsprechenden
Schnittstellen. Grundsätzlich sieht er noch viele "bewahrende
Strukturen" in Österreich. An einer Fachhochschule etwas präsentieren
zu müssen, rufe bei vielen Studenten noch einen Schock hervor. Das
setze sich in den Unternehmen fort, ortet er einen Mangel an
vermitteltem Selbstbewusstsein.
Konservatives Umfeld hemmt Innovation
Die Österreicher seien nicht gerade mit Unternehmer-Mentalität
gesegnet, sagte Rainer Haberl von headingforparty, einem auf die
Vernetzung von Feierwilligen spezialisierten Start-up. Man müsse aber
Risiken eingehen, außerdem sei das soziale Umfeld bzw. die
Unterstützung ebenso wichtig wie das berufliche Netzwerk. "Je
konservativer, engstirniger und Sicherheits-affiner das Umfeld des
jungen Unternehmers ist, desto schwieriger wird es für ihn oder sie,
das Vorhaben in den schwierigen Zeiten durchzuziehen", so Haberl.
"In Österreich haben wir ein strukturelles Problem, weil es an
Kapital und Kultur fehlt. Hier muss ein Umdenken stattfinden",
forderte auch Markus Roth von der Jungen Wirtschaft. Neben den gerade
in der Gründungs- und Wachstumsphase benötigten finanziellen Mitteln
stelle die Wahl der richtigen Gesellschaftsform einen wesentlichen
Bestandteil für einen erfolgreichen Start dar. Eine zeitgerechte Form
der GmbH wäre längst fällig, um auch im internationalen Wettbewerb
bestehen zu können, forderte Roth.
Die Plattform
Soziale Netzwerke, mobiles Marketing und Software als
Dienstleistung: Die IT-Welt dreht sich immer schneller. Die seit 2001
existierende E-Business-Community (EBC) hat es sich daher zur Aufgabe
gemacht, Wissen über aktuelle Themen aus der Branche zu vermitteln
und Geschäftskontakte zu erleichtern.
Veranstaltet von APA-MultiMedia, dem Partner für multimedialen
Content und redaktionelles Outsourcing, bildet die EBC ein
schlagkräftiges Netzwerk für erfolgreiches E-Business. Monatliche
Veranstaltungen, bei denen sowohl Impulsreferate als auch
Fachvorträge und Podiumsdiskussionen Platz haben, bilden die ideale
Plattform für Erfahrungs- und Meinungsaustausch.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- A1 www.a1.net - APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at - CELLULAR GmbH www.cellular.at - CMS Reich-Rohrwig Hainz Rechtsanwälte GmbH www.cms-rrh.com - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc - economyaustria http://economyaustria.at - Ericsson Austria www.ericsson.com - Evolaris next level GmbH www.evolaris.net - Hewlett-Packard www.hp.com/at - Kapsch www.kapsch.net - NAVAX Consulting GmbH www.navax.at - NextiraOne www.nextiraone.at - Samsung www.samsung.at - SAP Österreich GmbH www.sap.at - WirtschaftsBlatt Verlag AG www.wirtschaftsblatt.at - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at
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Rückfragehinweis:
APA-E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at
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