OTS0219   27. Apr. 2012, 12:54

"Alte Integrationskonzepte haben ausgedient" - Integrationstag (2) - BILD

Frauenberger: "Potenziale und Chancen durch Partizipation entwickeln"


Alte Integrationskonzepte haben ausgedient - Eröffnung Wiener Integrationstag (2) vergrößern

BILD zu OTS - Österreichischer Integrationstag 2012

In ihrer Begrüßung bedankte sich die
Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger für die Initiative zum
Integrationstag.

"Partizipation gibt den Menschen erst die Möglichkeit, aus ihrer
Migrationsbiografie heraus Potenziale und Chancen zu entwickeln", so
die Stadträtin zum Tagungsthema "Partizipation" bei der Eröffnung.

Rund 400 TeilnehmerInnen werden am Nachmittag in Workshops und
Diskussionen gemeinsam mit ExpertInnen Strategien und Ansätze zur
Stärkung von Teilhabe erarbeiteten. Dabei nehmen sie die drei
Bereiche Gesellschaft, Bildung und Arbeitsmarkt in den Blick. Die
TeilnehmerInnen kommen aus der Wirtschaft, aus NGOs, Vereinen,
Interessensvertretungen, politischen Parteien, Bildungs- und
wissenschaftlichen Einrichtungen, aus Gemeinden, Länder und Bund. Am
Abend werden im Festsaal des Wiener Rathauses die Ergebnisse aus den
Workshops präsentiert.

Mark Terkessidis: "Alte Integrationskonzepte haben ausgedient"

"Alte Integrationskonzepte haben ausgedient. Diese gehen davon
aus, dass es eine Normbevölkerung gibt und eine andere Bevölkerung,
die nachher dazu gekommen ist und Defizite hat", so der
Migrationsforscher und Autor Mark Terkessidis in seiner
Eröffnungsrede. "Damit Leistung überhaupt erbracht werden kann,
müssen Voraussetzungen geschaffen werden." Das bedeute nicht nur eine
Veränderung in der Zusammensetzung von Personal, sondern auch
Veränderung von Organisationsstrukturen und -kulturen.

Ein Beispiel: "Eine Stadt, die 40% BewohnerInnen mit
Migrationshintergrund hat, kann nicht verwaltet werden von einer
Verwaltung, in der nur 2% Personen mit Migrationshintergrund
vertreten sind. Deswegen ist es eine Aufgabe, den Personalbestand
der jeweiligen Institution proaktiv zu verändern", so Terkessidis.

: Stajic: "Teufelskreis der ungleichen Bildungschancen"

"Wir können es uns nicht leisten, auf die Potenziale zukünftiger
Generationen zu verzichten", so Olivera Stajic, Redaktionsleiterin
von daStandard.at, im zweiten Eröffnungsvortrag. Die österreichische
Gesellschaft verhindere Chancengleichheit: "Der Bildungserfolg hängt
sehr stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab", so Stajic und
spricht vom "Teufelskreis der ungleichen Bildungschancen". Sie
kritisiert, dass das Thema Diskriminierung weitgehend ausgeblendet
ist.

"Wir brauchen mehr Analysen und Untersuchungen zu den Ursachen von
Jugendarbeitslosigkeit junger Menschen mit Migrationshintergrund",
verwies Stajic auf eine kürzlich publizierte deutsche Studie. Nach
dieser werden BewerberInnen mit Migrationshintergrund in
Bewerbungsverfahren diskriminiert.

"Schule ist Dreh- und Angelpunkt für Chancengleichheit und
soziale Gerechtigkeit. Für die meisten Kinder ist Schule die einzige
Möglichkeit zum sozialen Aufstieg", so Stajic.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0219 2012-04-27 12:54 271254 Apr 12 RWN0002 0387



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