- 25.01.2012, 15:08:16
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Podiumsdiskussion über die Zukunft der ambulanten medizinischen Versorgung
Lehrpraxen ein zentraler Lösungsansatz

Wien (OTS) - Im Rahmen einer prominent besetzten Podiumsdiskussion
stellte gestern, Dienstag, Abend die Österreichische Ärztekammer
(ÖÄK), Bundeskurie niedergelassene Ärzte, das Buch "Arzt der Zukunft
- Zukunft des Arztes" vor. Vierzehn österreichische und deutsche
Experten beleuchten darin die Lage der niedergelassenen Medizin und
die Gefahr des Ärztemangels, aber auch Möglichkeiten, die drohende
Versorgungskrise zu vermeiden.
Eine der wichtigsten Fragen lautete: Wie kann man den Beruf des
niedergelassenen Arztes wieder so attraktiv machen, dass sich mehr
Jungärzte für diese Aufgabe entscheiden? Günther Wawrowsky, Obmann
der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, ging in seiner Einleitung auf
die Begrüßungsworte von Gesundheitsminister Alois Stöger ein: "Es ist
erfreulich, dass Mminister Stöger die Wichtigkeit einer qualitativ
hochwertigen medizinischen Ausbildung betont. Dennoch haben wir seit
seit zehn Jahren keine ordentliche Regelung für die Finanzierung von
Lehrpraxen."
Mangelnde Praxisausbildung eine Ursache für Ärztemangel
Die Allgemeinmedizinerin und Vizepräsidentin der Österreichischen
Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), Susanne Rabady, betonte:
Nicht den Beruf müsse man attraktiv machen, sondern die
Arbeitsbedingungen und die Ausbildung. Dass junge Ärztinnen und Ärzte
weder an den Medizinuniversitäten noch im Turnus auf die Arbeit
"draußen" vorbereitet würden, sei eine der wesentlichen Ursachen für
den drohenden Ärztemangel, erklärte Rabady, die selbst eine
Lehrpraxis betreibt.
Dem pflichtete Gert Wiegele, stellvertretender Obmann der Bundeskurie
niedergelassene Ärzte, bei und hob hervor: "Jungmediziner erfahren im
Turnus weder etwas über die alltäglichen Herausforderungen, mit denen
ein niedergelassener Arzt zu kämpfen hat, noch haben sie die Chance
zu erleben, wie abwechslungsreich und erfüllend dieser Beruf ist".
Wiegele, der in Kärnten eine Kassenpraxis für Allgemeinmedizin
betreibt, empfindet es als eine "Zumutung, dass die Politik bei der
Förderung von Lehrpraxen noch immer auf der Stelle tritt". Zumald die
Lehrpraxis beide essenziellen Ziele erfüllen würde: eine solide
Vorbereitung auf die Arbeit im niedergelassenen Bereich und, so
Wiegele, "die beste Image-Werbung für den Job als
Allgemeinmediziner", die man sich vorstellen könne.
Zehn Millionen für Lehrpraxen
In Österreich stünden 900.000 Euro jährlich für Lehrpraxen zur
Verfügung. Nötig seien zehn Millionen - eine, so Wiegele,
"lächerliche Summe verglichen mit den Millionen, die sonst in den
Finanzströmen des Gesundheitssystems fließen". In zwei Drittel aller
europäischen Länder würden Lehrpraxen von der öffentlichen Hand
gefördert. Kurienobmann Wawrowsky: "Österreich hinkt internationalen
Standards in der Ausbildung von Allgemeinmedizinern nach. Eine
verantwortungsvolle Gesundheitspolitik wird daher um eine ordentliche
Mitfinanzierung nicht herumkommen." In Deutschland hätten die
Krankenkassen den systemerhaltenden Wert der Lehrpraxen längst
erkannt, erklärte der Bundesvorsitzende des deutschen
Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Dort finanzieren Kassen und
ausbildende Ärzte gemeinsam die Gehälter der in den Lehrpraxen
auszubildenden Jungmediziner. Mehr noch - in Deutschland ist eine
zweijährige Lehrpraxis für Allgemeinmediziner verpflichtend. Damit
konnte, so Weigeldt, auch der Stellenwert des Allgemeinmedziners
gestärkt werden - sowohl unter den angehenden Ärzten als auch
gegenüber den Patienten. (ar)
Service:
Infos zur Veranstaltung und zum Buch "Arzt der Zukunft - Zukunft des
Arztes" unter www.meinarzt.aerztekammer.at
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Mag. Andrea Riedel
Tel.: (++43-1) 513 18 33-45
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