- 25.01.2012, 11:56:01
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"Kunst hat Recht.": Österreichs Kunstschaffende rufen zum Protest - BILD

Wien (OTS) - Der Einkommensverlust durch unbezahlten Konsum von
Musik, Filmen, Bildern und Texten hat für viele Kunstschaffende in
Österreich ein existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Mit der
Initiative "Kunst hat Recht." machen nun KünstlerInnen aller Sparten
gemeinsam für ihre Rechte als Urheber mobil: Zur Entwicklung eines
zeitgemäßen Urheberrechts fordern sie die Einsetzung einer
Regierungskommission. Weiters fordern sie von den Regierungsparteien
ein Bekenntnis zur Festplattenabgabe, die den KünstlerInnen als
Ausgleich für Privatkopien zehn Mio. Euro bringen soll. Um ihren
Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohen die KünstlerInnen mit
Protesten. Als erste symbolische Maßnahme wollen sie den
Nationalfeiertag boykottieren, wenn sie kein Gehör finden.
Noch nie wurde mehr Text, Bild, Film und Musik konsumiert als
heute. Dennoch geraten Österreichs Kunstschaffende zunehmend unter
wirtschaftlichen Druck, denn immer weniger Menschen bezahlen für
künstlerische Leistungen.
Die Folge dieses Trends zur "Gratiskultur" sind Einkommensverluste
für die KünstlerInnen: Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen
von 1.030 Euro liegen die heimischen Kunstschaffenden bereits um 400
Euro netto unter dem Verdienst der ArbeitnehmerInnen. Ein Drittel der
heimischen Kunstschaffenden lebt unterhalb der Armutsgrenze.
Die Künstlerinnen und Künstler führen diese negative Entwicklung
unter anderem auf die Missachtung des Urheberrechts zurück - also die
unbezahlte Verwendung von Filmen, Musik, E-Books und Bildern. War
davon zuerst nur die Musikbranche betroffen und danach auch der Film,
wird dies nun zum Problem für alle Kunstrichtungen. Durch die neuen
technischen Entwicklungen ist es möglich geworden, Kunst zu
konsumieren, ohne dafür zu bezahlen und ohne rechtlich dafür belangt
werden zu können. Dazu hat sich die Meinung verbreitet, dass die
Durchsetzung des Urheberrechts falsch wäre und das Urheberrecht den
Kunstschaffenden auch gar nichts nützen würde.
"Jedem Handwerker wird eine faire Bezahlung seiner Leistungen
zugestanden. Aber wenn es nach den Vertretern der Internet-Industrie
geht, sollen wir gratis arbeiten. Provider und Online-Plattformen
schlagen Profit aus unserer Leistung, aber ein Drittel der heimischen
Künstler lebt unter der Armutsgrenze. Österreich droht ein Land der
Nebenerwerbskünstler zu werden. Damit muss Schluss sein, sonst hat
auch das Kulturland Österreich wenig Zukunft", so Gerhard Ruiss,
Autor und Mitbegründer der Initiative.
Damit Österreichs Kunstschaffende für ihre Leistung wieder fair
bezahlt werden, haben sich Künstlerinnen und Künstler aller Sparten
zur Initiative "Kunst hat Recht." zusammengeschlossen. Gemeinsam
wollen sie eine bessere Durchsetzung ihrer Rechte bewirken. "Wir
haben das Recht, über die Verwendung unserer Werke selbst zu
bestimmen. Teile der Internet-Industrie wollen uns dazu zwingen, dass
wir unsere Werke herschenken. Dazu sind wir nicht länger bereit",
ergänzt der Musiker Christof Straub.
"Wir fordern die Einsetzung einer Regierungskommission, die noch
in diesem Jahr einen konkreten Plan für ein zeitgemäßes Urheberrecht
und seine Durchsetzung ausarbeitet. Zweitens fordern wir das längst
fällige Bekenntnis zur Festplattenabgabe, mit der für das private
Kopieren bezahlt wird. Dazu brauchen Österreichs Kunstschaffende die
Initiative des Justizministeriums", erläutert Schauspielerin Mercedes
Echerer die zwei Hauptforderungen. Früher wurden die privaten Kopien
der Konsumenten mit der Leerkassettenvergütung bezahlt, die sich seit
2007 aber mehr als halbiert hat. Sollte das Gesetz auf Festplatten
nicht angewendet werden, droht den heimischen Kunstschaffenden ein
zusätzlicher Einkommensverlust von rund zehn Mio. Euro pro Jahr.
Die Bevölkerung wissen die Kunstschaffenden grundsätzlich auf
ihrer Seite: Laut einer aktuellen Umfrage des unabhängigen
Meinungsforschungsinstituts marketagent.com unter 500 Österreichern
zwischen 18 und 50 Jahren meinen 83 Prozent der Befragten, dass die
Rechte der Künstler gesetzlichen Schutz verdienen. "Sogar über
neunzig Prozent der Bevölkerung unterstützen unser Recht auf
geistiges Eigentum. Das ist ein klarer Handlungsauftrag an die
Politik, für eine bessere Durchsetzbarkeit unserer Rechte als Urheber
zu sorgen", so der Spielfilmproduzent Danny Krausz.
Dass gleichzeitig so viele Menschen urheberrechtlich geschützte
Werke ohne Bezahlung konsumieren, erklären sich die KünstlerInnen mit
dem mangelnden Bewusstsein für den Wert künstlerischer Arbeit.
Bildhauer und Maler Michael Kos: "Es ist für viele nicht spürbar,
dass sie damit eigentlich Künstler schädigen. Und jeder hat einen
Freund, eine Freundin, die es auch so macht. Ein solches Problem kann
nur auf politischer Ebene gelöst werden."
Die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Kulturbranchen zeigt
ein düsteres Bild für das Kulturland Österreich:
* Musik: Der Umsatz des heimischen Musikmarkts hat sich in den
vergangenen zehn Jahren halbiert. Die Talsohle ist noch nicht
erreicht: Erst im Jahr 2010 hat Österreichs Musikmarkt weitere acht
Prozent eingebüßt.
* Film: Bereits im Jahr 2005 sind der heimischen Filmwirtschaft durch
Piraterie 16,5 Mio. Euro entgangen. Mittlerweile werden
österreichische Filme schon vor dem Kinostart in großem Stil auf
Online-Plattformen illegal verbreitet. Die Schäden für die heimische
Filmbranche nehmen weiter zu.
* Literatur: Zwei Drittel der E-Books werden raubkopiert. Für
Online-Veröffentlichungen gibt es kein einziges funktionierendes
Honorarmodell. Treffen die Prognosen für die Marktanteile digitaler
Medien zu, drohen Honorarverluste von der Hälfte bis zur Gänze.
* Bildende Kunst / Fotografie: Die unbezahlte Nutzung von digitalen
Bildern trifft Fotografen und Bildende Künstler, für die
Bildvergütungen ein existenzielles Standbein darstellen, besonders
hart.
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sind die
Künstlerinnen und Künstler zu Protestmaßnahmen bereit. "Seit Jahren
machen wir auf das Problem aufmerksam und werden von der Politik
ignoriert. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir handeln
müssen. Wenn wir bis zum Sommer dieses Jahres keine positive Reaktion
auf unsere beiden Hauptforderungen bekommen, werden wir alle
Künstlerinnen und Künstler dazu aufrufen, als ersten Schritt den
Nationalfeiertag am 26. Oktober zu boykottieren. Dann muss sich das
offizielle Österreich eben ohne Kunst und Kultur feiern", stellt
Mercedes Echerer die erste Maßnahme vor. Weitere Protestmaßnahmen
werden derzeit entwickelt, Kreativität ist in hohem Maß vorhanden
(www.kunsthatrecht.at).
Link zu Fotos: http://www.kunsthatrecht.at/presse/ und
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/2691
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Organisationsbüro "Kunst hat Recht."
Christiane Fuchs-Robetin
Tel.: 01-505 26 25-66
E-Mail: [email protected]
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