• 21.11.2011, 12:18:59
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Mitterlehner: Gewaltschutz und Prävention weiter verbessern

Enquete und Studienpräsentation zu Thema Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld - Gesetzliche Verbesserungen im Kinderschutz und neue Hotline für von Gewalt betroffene Kinder

Montag, den 21. November 2011 fand im Wiener Museumsquartier die Enquete "Die vielen Gesichter von Gewalt / Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld" statt. Im Bild Wirtschafts- und Familienminister Reinhold Mitterlehner bei der Eröffnungsrede.

Wien (OTS/BMWFJ) - Familien- und Jugendminister Reinhold
Mitterlehner eröffnete am Montag im Wiener Museumsquartier unter dem
Motto "Die vielen Gesichter von Gewalt" eine Experten-Enquete, bei
der auch eine neue Studie zum Thema Gewalt in der Familie und im
nahen sozialen Umfeld präsentiert wurde. "Diese Bestandsaufnahme
zeigt, dass es trotz des gesetzlich verankerten Gewaltschutzes
weiterhin Handlungsbedarf gibt. Um unseren Anspruch noch stärker mit
der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Einklang zu bringen, wollen
wir daher den Gewaltschutz und die Prävention in Österreich weiter
verbessern", sagte Mitterlehner.

Im Auftrag des Familien- und Jugendministeriums hat das
Österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) die Ausprägungen
und das Ausmaß der in der Familie und im nahen sozialen Umfeld
ausgeübten Gewalt untersucht. Für diese erste empirische
Repräsentativuntersuchung zum Thema sind insgesamt 2.334 Männer und
Frauen im Alter zwischen 16 und 60 Jahren befragt worden, um deren
Gewalterfahrungen in der Kindheit, im gesamten Lebenszyklus und in
den letzten drei Jahren zu erheben.

Die altersspezifische Betrachtung zeigt, dass es in den vergangenen
Jahren und Jahrzehnten zu einer Abnahme der Gewalterfahrungen in der
Kindheit gekommen ist und die jüngeren Befragten daher weniger Gewalt
erlebt haben als die ältere Generation: Vergleicht man die
Gewalterfahrungen der Frauen und Männer im Alter von 51 bis 60 Jahren
in ihrer Kindheit mit jenen der heute 16- bis 20-Jährigen, so ist der
Anteil der körperlichen Misshandlungen laut Studie um rund 25 bis 30
Prozentpunkte zurückgegangen. Noch signifikanter ist der Rückgang bei
sämtlichen Formen der sexuellen Gewalt: Bei den Frauen gab es hier in
der Kindheit eine Halbierung der Übergriffe, bei den Männern sogar
eine Abnahme um rund zwei Drittel.

Die Gewaltprävalenzstudie hat weiters erhoben, dass Frauen deutlich
häufiger und schwerer Gewalt erfahren als Männer. Die einzige
Ausnahme stellt die körperliche Gewalt dar, in der Männer etwas
häufiger Übergriffe schildern. Frauen erfahren zudem körperliche und
sexuelle Gewalt vor allem in der Familie und in der Partnerschaft.
Weiters bestätigt sich, dass psychische Gewalterfahrungen von Frauen
wie Männern primär an ihrem Ausbildungs- und Arbeitsplatz gemacht
werden. Darüber hinaus erhöhen Gewalterfahrungen in der Kindheit laut
der Studie das Risiko, auch im Erwachsenenalter schwere Gewalt zu
erfahren.

Neues Gesetz wird Gefährdungsabklärung und Hilfeplanung
verbessern

"Die Bestandsaufnahme zeigt, dass es trotz einiger positiver
Tendenzen weiterhin Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen gibt - bei
der Bewusstseinsbildung, bei der Prävention und bei den konkreten
Hilfsangeboten", betonte Mitterlehner. "Wir verhandeln daher mit den
Bundesländern das neue Bundes-Kinder-und Jugendhilfegesetz, in dem
erstmals das Vier-Augen-Prinzip in der Gefährdungsabklärung und
Hilfeplanung verankert ist. Zwei Fachkräfte sollen gemeinsam den
besten Weg für den bestmöglichen Schutz jedes einzelnen Kindes
entwickeln", so Mitterlehner. Dazu ist noch die Zustimmung von zwei
Bundesländern ausständig.

Neue Hotline für gewaltbetroffene Kinder kommt

"Gleichzeitig müssen wir noch mehr Möglichkeiten schaffen, damit
sich Kinder und Jugendliche einfach und unbürokratisch Hilfe holen
können, wenn sie Gewalt erleben. Daher richten wir mit 1. Dezember in
Kooperation mit dem Kinderschutzverein 'Möwe' eine österreichweite
Hotline für gewaltbetroffene Kinder ein", so Mitterlehner. Die Nummer
0800 240 268 ist sieben Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr erreichbar
und mit Expertinnen und Experten der "Möwe" als Ansprechpartnern
besetzt.

Im Sinne der Prävention wirken auch die Elternbildungsmaßnahmen des
BMWFJ, in denen der gewaltfreie Umgang mit Kindern in den Mittelpunkt
gestellt und Handlungsalternativen zu Strafen aufgezeigt werden.
Damit werden jährlich rund 90.000 Väter und Mütter in Veranstaltungen
erreicht. "Mir ist es daher wichtig, dass es bei den Maßnahmen zur
Gewaltvermeidung und Aufarbeitung in unserem Budget 2012 keinerlei
Einsparungen geben wird", so Mitterlehner.

Entscheidend ist für Mitterlehner auch die ehrliche
Auseinandersetzung mit einer gewaltbelasteten Vergangenheit. "Hier
ist ein schonungsloses Aufarbeiten und Aufklären der Fälle notwendig.
Eine österreichweite Anlaufstelle bei der Volksanwaltschaft soll
diesen Prozess künftig erleichtern", bekräftigte Mitterlehner.
"Darüber hinaus bietet unsere heutige Enquete die Möglichkeit,
Gewaltphänomene aus unterschiedlichen Blickwinkeln gemeinsam mit
Experten zu analysieren sowie breit zu diskutieren, inwiefern die
Rahmenbedingungen und Strategien richtig justiert sind", so
Mitterlehner abschließend.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
   Pressesprecher des Bundesministers:
   Mag. Waltraud Kaserer
   Tel.: +43 (01) 71100-5108 / Mobil: +43 664 813 18 34
   mailto:[email protected]
   www.bmwfj.gv.at
   
   Mag. Volker Hollenstein
   Tel.: +43 (01) 71100-5193 / Mobil: +43 664 501 31 58
   [email protected]

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