- 14.07.2010, 12:34:17
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"Ärzteausbildung: Medizinernachwuchs in der Sackgasse!" (1)
Sowohl Ausbildung zum Allgemeinmediziner als auch Facharztausbildung reformbedürftig!

Wien (OTS) - Die Ausbildungssituation an den österreichischen
Spitälern wurde in einer repräsentativen Studie des Instituts für
Empirische Sozialforschung (IFES) durchleuchtet, für die im April 620
Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung befragt wurden. Das Ergebnis, das
Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde:
Turnusärzte in Ausbildung zum Facharzt leiden unter langen
Dienstzeiten, während Turnusärzte in Ausbildung zum Arzt für
Allgemeinmedizin vor allem für administrative Tätigkeiten eingespannt
werden. Im Vergleich zur letzten IFES-Studie 2006 ergaben sich
geringfügige Verbesserungen, die aber nach Beurteilung von Harald
Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und
Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, noch weit vom Idealzustand
entfernt seien. Zur Entspannung der Situation verlangt Mayer eine
generelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen und grundsätzliche
Änderungen in der Ausbildung zur Allgemeinmedizin.
Sollte sich an der Ausbildungssituation nichts ändern und schaffe man
keine ausreichend guten Rahmenbedingungen für alle Ärztinnen und
Ärzte in Ausbildung, dann seien Qualitätseinbußen im Bereich der
Allgemeinmedizin zu erwarten, warnt Mayer. Zudem würden sich nur noch
wenige Ärztinnen und Ärzte nach einer abgeschlossenen
Facharztausbildung bereit erklären, im Spital zu arbeiten.
Lange Dienstzeiten
"Der sprichwörtliche Plafond ist längst erreicht", bringt der
Bundesobmann die Problematik auf den Punkt. Vor allem lange
Arbeitszeiten stellen eine enorme Belastung für die Jungmediziner
dar, und zwar für angehende Fachärzte und Allgemeinmediziner
gleichermaßen. Während lediglich bei zwei Dritteln der Betroffenen
die gesetzliche Arbeitszeit von 60 Wochenstunden im Schnitt
eingehalten wurde, erreichte ein Drittel der Befragten bisweilen bis
zu 76 Stunden und überschritt damit die gesetzliche Arbeitszeit
beträchtlich. Angehende Fachärzte werden dabei stärker eingespannt
und verbringen durchschnittlich mehr Zeit im Krankenhaus als ihre
Kollegen in der Ausbildung zum Allgemeinmediziner. Auch Zeitdruck ist
für künftige Fachärzte deutlich belastender, wird aber von beiden
Gruppen generell als enorm empfunden. Zufrieden sind folglich weder
die Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung zum Allgemeinmediziner noch
jene in Ausbildung zum Facharzt; die Mehrheit - mehr als zwei Drittel
- sieht Verbesserungsmöglichkeiten wie etwa eine gesetzliche
Beschränkung der maximal zulässigen Dienstdauer auf 25 Stunden.
Belastung durch Administration
Aber auch eine Reduktion der administrativen Aufgaben wird gefordert:
Turnusärzte in Ausbildung zum Allgemeinmediziner verwenden derzeit
fast die Hälfte (47 Prozent) ihrer wöchentlichen Arbeitszeit für
Administration und Dokumentation. Ihre Kolleginnen und Kollegen in
der Ausbildung zu einem Spezialfach sind diesbezüglich etwas besser
dran; bei ihnen reduziert sich der administrative Aufwand auf etwa
ein Drittel (34 Prozent) der wöchentlichen Arbeitszeit. "Im direkten
Vergleich zur letzten IFES-Studie im Jahr 2006 zeigt sich zwar, dass
die Arbeitsbelastung leicht gesunken ist, aber wir sind noch weit von
unserem Ziel entfernt. Die Belastungsgrenze ist ganz einfach
erreicht", unterstreicht Mayer. "Ein Großteil der administrativen
Arbeit könnte leicht delegiert werden", betont der
Bundeskurienobmann. Derzeit würden die Nachwuchsmediziner als
Systemerhalter eingesetzt, die Arbeit am Patienten bzw. die ärztliche
Tätigkeit kämen eindeutig zu kurz: "Die Turnusärztinnen und -ärzte
fühlen sich vielfach als Personalreserve missbraucht, und das hemmt
ihre Arbeitsfreude und Motivation gerade in dieser so entscheidenden
Einstiegsphase", ergänzt der IFES-Projektleiter Georg Michenthaler.
Um die Turnusärztinnen und -ärzte zu entlasten, fordert Mayer die
flächendeckende Einführung von Administrationsassistenten, die sich
um die wesentlichen administrativen Aufgaben kümmern sollten. Dann
hätten die angehenden Mediziner Zeitressourcen frei für das, was in
ihrem Beruf wirklich wichtig ist: die Medizin. (sl) (Forts.)
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Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 14 DW
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